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	<title>...ein kurzgeschichten blog</title>
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	<description>von ingo kühn</description>
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		<title>Eine Weihnachtsgeschichte</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Dec 2011 11:16:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blownbubble</dc:creator>
				<category><![CDATA[Weihnachtsgeschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[„Meine Name ist George, ich bin 44 Jahre alt und ich bin trocken seit 2 Jahren“ Applaus, zustimmende und aufmunternde Worte und Gesten hallen durcheinander aber verständlich durch den Raum. Er war einmal glücklich, damals, vor jenem Tag, an dem &#8230; <a href="http://schreibwaise.com/archives/218">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Meine Name ist George, ich bin 44 Jahre alt und ich bin trocken seit 2 Jahren“ Applaus, zustimmende und aufmunternde Worte und Gesten hallen durcheinander aber verständlich durch den Raum.</p>
<p>Er war einmal glücklich, damals, vor jenem Tag, an dem es geschah. Es war genau vor 7 Jahren. Es war der 24. Dezember. Die Stadt war Schnee bedeckt, und bevor er nach Hause ging um gemeinsam mit seiner Liebsten und seiner Tochter das Weihnachtsfest zu feiern, wollte er noch schnell am Juweliergeschäft vorbei um den Ring abzuholen. Dieser Tag sollte Ihr gemeinsamer Tag sein. An diesem Tag wollte er Ihr endlich den Antrag machen, das schönste Geschenk, dass sie sich Beide machen konnten. So lange schon lebten sie zusammen und jetzt waren sie bereit dafür. Er liebte Joanne so sehr, wie auch seine Tochter Mia. Niemals hätte er sich vorstellen können auch nur eine Minute ohne sie in dieser Welt zu leben. Er kam nach Hause und noch bevor er die Tür öffnete, roch es fürchterlich nach Angebranntem. Es war still, zu still. Lediglich das leise Surren des Backofens war zu hören. Er ging eilig in die Küche um den Ofen abzuschalten, der die Plätzchen bereits zu Briketts weiter verarbeitete. „Joanna?“ rief er, „Joanna?“ mit dem unguten Gefühl, das hier etwas nicht stimmt. Dann ging er ins Wohnzimmer, sah Joanna und Luisa zwischen all den zerbrochenen Weihnachtskugeln dem umgestürzten Baum und den durchwühlten Schränken am Boden liegen. Jemand hatte zunächst Luisa getötet und dann Joanna vergewaltigt und umgebracht. Ohne die Situation nur im Ansatz zu erfassen rief er 911, Feuerwehr und Polizei. Hätte man ihn nicht als Mordverdächtigen verhaftet und ihn später in die Psychiatrie überstellt, wäre er nicht mehr am Leben.</p>
<p>George erzählt seine Geschichte. In den Gesichtern der Anderen kann man sehen, wie klein und Belanglos sich Ihre eigenen Probleme plötzlich für sie anfühlen. Blankes Entsetzen in den Augen der einen, Tränen und Mitgefühl bei den Anderen. Mit seiner Geschichte hat er vielen Menschen geholfen. Er hat ihnen Mut gemacht, ihnen gezeigt, dass man selbst mit den schlimmsten Schicksalsschlägen zurecht kommen kann, wenn man den Willen dazu besitzt. Einige von ihnen hat er davor bewahrt, Rückfällig zu werden. Aber vor allem hat er eins getan, er hat Robert das Leben gerettet. Robert wäre nach dem Treffen der anonymen Alkoholiker in den Supermarkt gegangen um sich 2 Flaschen Hochprozentigen zu kaufen, hätte Beide auf der Dachterrasse seines Mietshauses getrunken und sich dann hinunter in den Tod gestürzt. Dank der traumatischen Geschichte von George wird er optimistisch in die Zukunft gehen. Er wird sich noch Heute neu verlieben und glücklich alt werden.</p>
<p>Ich sitze im &#8220;The Whiskey&#8221; in Brooklyn in der North 11<sup>th</sup>, Ecke Berry Street und trinke einen Tee, als sich die Tür öffnet. George tritt herein, in Begleitung des Schneegestöbers und einer kalten Briese. Er setzt sich an die Bar und bestellt sich einen doppelten Whiskey auf Eis. Er sitzt einfach nur da, scheinbar Gedankenverloren und hält das Glas mit fester Hand. Als ich mich zu ihm an die Bar setze, gibt er vor mich nicht zu bemerken. „Verdammt Kalt, nicht wahr?“ erwähne ich beiläufig, während wir Beide ins Nichts starren. „Lassen sie mich in Ruhe“ erwidert George ohne dabei auch nur im geringsten die Blickrichtung zu verändern. Ich seufze, trinke einen Schluck meines inzwischen nur noch lauwarmen Tees, während ich übertrieben schlürfe. „Was ist Ihr Problem?“ Fragt mich George mit einem leicht aggressiven Unterton in seiner Stimme. Immerhin schaut er dabei jetzt zu mir herüber. „Ach“ sage ich „So viel Arbeit an diesem Tag. Jedes Jahr wieder, viel zu tun und man weiß gar nicht, wo man beginnen soll.“ „Was ist Ihr Beruf?“ Hakt er nach und ich bin nicht sicher ob er nur höflich sein will oder ob es ihn tatsächlich interessiert. „Ich bin Paketzusteller und gelegentlich Seelsorger.“ „Und sie arbeiten bei der Santapost, oder warum der rote Mantel und die alberne Perücke?“ fragt er verächtlich und zugleich ein wenig Neugierig. „Dienstanweisung von ganz oben“ antworte ich. „ Und wir müssen heute auch durch den Schornstein zustellen“ scherze ich. George muss lächeln, während er verzweifelt versucht seine Abwehrhaltung aufrecht zu halten und den Kopf schüttelt. „Was trinken sie?“ frage ich ihn. „Ich trinke nicht. Noch nicht.“ gibt er mürrisch zurück.</p>
<p>Ich beginne ihm eine Geschichte zu erzählen. Es ist die Geschichte eines Jungen, der keine Eltern hat. Jedes Jahr am heiligen Abend sitzt er allein im Zimmer eines Kinderheimes und hat nur einen Wunsch, er will seine Eltern zurück. Er wünscht es sich so sehr, dass er nicht bemerkt, wie er all die Menschen weg stößt, die auf ihn zu gehen und gern seine Eltern sein wollen. Und so ist er allein. Jede Weihnacht wieder und sitzt in diesem Zimmer um zu weinen. Eines Tages begreift er, dass seine Eltern tot sind und er sie nicht zurück bekommen kann, so sehr er es wünscht. Von diesem Tag an ist er ein glücklicherer Junge. Er findet Eltern, die ihm zugleich Freunde sind und hat ein neues zu Hause, in dem er geliebt wird, geborgen und behütet aufwächst.</p>
<p>„Wissen sie George“ sag ich abschließend zu ihm „der Whiskey holt Ihre Frau und Ihre Tochter nicht zurück. Er ertränkt Ihre Probleme nur in neuen, größeren Problemen, die sie immer wieder einholen werden“ Er schaut mich an, berührt und auch neugierig „Wer sind sie?“ Fragt er mich worauf ich wiederhole „Der Paketzusteller, mein Freund, nur der Paketzusteller. Und manches mal ein Seelsorger“ Ich lächele ihn an, während er mich noch immer fragend anschaut. „Es wird Zeit für mich. Es gibt noch viele Pakete zuzustellen und so einige Päckchen abzuholen.“ Ich stehe auf. Knöpfe meine Jacke zu und sage abschließend, während ich ihm auf die Schulter klopfe „Schauen sie nach vorn mein Freund und genießen sie das, was ihnen bleibt“ dann gehe ich zur Tür hinaus.</p>
<p>George fragt den Barkeeper „Kennen sie diesen Mann?“ „Welchen Mann?“ antwortet der ihm zurück. George steht auf, geht zur Tür hinaus schaut suchend umher. Er sieht nach oben. Schneeflocken fallen ihm ins Gesicht, während er mir nachschaut und einen Augenblick bin ich tatsächlich geneigt zu glauben er könne mich sehen.</p>
<p>George schaut die Strasse hinunter, stellt den Kragen hoch und verschränkt die Arme. Dann geht er. Er geht nicht zurück in Bar. Er hat noch viel zu tun. Er muss ein Busticket kaufen und ein Weihnachtsgeschenk. Er wird zu seinen Schwiegereltern fahren, die all die Jahre auf ihn hofften und nachdem die Trauer um Ihre Tochter Joanna und die Enkelin Mia allmählich verblassten, bis zum heutigen Tage, um ihn trauern. Diese Trauer soll nun ein Ende haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Ich wünsche Euch allen ein schönes Weihnachtsfest.</h3>
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		<title>Geschützt: Text&#8230;</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 19:50:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blownbubble</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt keine Kurzfassung, da dies ein geschützter Artikel ist.]]></description>
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		<title>Bald geht es weiter&#8230;</title>
		<link>http://schreibwaise.com/archives/189</link>
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		<pubDate>Sun, 13 Nov 2011 18:52:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blownbubble</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Hallo, Nicht, dass Ihr denkt das wars. Ich hab einige Kleinigkeiten privater Natur zu erledigen und will ein paar Dinge anpassen / verändern. Danach versucht Ralf verzweifelt sich das Leben zu nehmen um so das seiner Ex zu zerstören. Also &#8230; <a href="http://schreibwaise.com/archives/189">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo,<br />
Nicht, dass Ihr denkt das wars. Ich hab einige Kleinigkeiten privater Natur zu erledigen und will ein paar Dinge anpassen / verändern.<br />
Danach versucht Ralf verzweifelt sich das Leben zu nehmen um so das seiner Ex zu zerstören.<br />
Also bis bald.<br />
Ingo</p>
<p></p>
 <p><a href="http://schreibwaise.com/?flattrss_redirect&amp;id=189&amp;md5=52434a0f703e11c67b9cc75932996233" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://schreibwaise.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kopflos</title>
		<link>http://schreibwaise.com/archives/184</link>
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		<pubDate>Sat, 29 Oct 2011 14:17:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blownbubble</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kopflos]]></category>

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		<description><![CDATA[Folge 4 Dieser Brief entspricht wirklich nicht seinem Wesen. „Schwachsinnige Gedanken, Peinlich.“ Zumindest dachte er das bis er begann ihn zu schreiben. Und jetzt, wo er ihn noch einmal ließt, wird es ihm tatsächlich bewusst, all der Schmerz den er &#8230; <a href="http://schreibwaise.com/archives/184">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Folge 4</h3>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Dieser Brief entspricht wirklich nicht seinem Wesen. „Schwachsinnige Gedanken, Peinlich.“ Zumindest dachte er das bis er begann ihn zu schreiben. Und jetzt, wo er ihn noch einmal ließt, wird es ihm tatsächlich bewusst, all der Schmerz den er die ganze Zeit fühlte all die Sehnsucht, die Begierden. Und jetzt war sie tot und ihr Dämon verlangte von ihm ein Liebesgeständnis. Er muss weinen. Dieser harte, coole Typ, der vor nichts und niemandem Angst hat, den nichts aus der Fassung bringen kann. Tränen laufen stumm an seinen Wangen herunter und das brennen der Wunde auf der linken Wange erinnert ihn wieder an seine ungeschickte, oder vielmehr an seine von ihr gewollte Verletzung, die ebenso eine Rolle spielt wie jedes andere Geschehnis in diesem Spiel. Ein Spiel. Das ist es, weiter nichts als ein Spiel. Und er war die Spielfigur. Er weiß nur noch nicht worum es in diesem Spiel geht aber das muss er zunächst heraus finden, wenn er hier wieder raus kommen will.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Nichts passiert, keine eigenartigen Geräusche, keine Träume, Bilder, Leichen, Nichts. War es das jetzt gewesen? Nur ein Liebesbrief? Oder lässt sie ihn nur in Ruhe zu Ende schreiben? Er hält den Stift in der Hand, sieht auf den Brief. „Denk nach Tim, denk nach.“ sagt er zu sich selbst so leise, dass er nicht sicher war ob er es gerade aussprach oder nur dachte. Er versucht in Gedanken noch einmal alle Ereignisse, wenn möglich in der richtigen Reihenfolge zusammen zu fassen. „Du bist gestern früh mit nem dicken Kater aufgewacht, hast beim Kaffee kochen Christins Kopf gefunden und ohnmächtig geworden. Liegst du immer noch vor dem Kühlschrank? Unwahrscheinlich. Du hast den Aufzug gerufen und bist dann beinahe ins Leere gefallen. Du bist in der Badewanne gestorben, beim Absturz mit dem Aufzug, beim Aufprall auf den ICE. Sie will einen Liebesbrief. Sie macht mich gefügig, will, dass ich ihr gehorche, nach ihren Regeln spiele. Ich muss also die Regeln ändern. Und wenn sie mich dann tötet? Zumindest bin ich ihr tot nicht mehr von Nutzen, für den Augenblick. Ich werde das Unerwartete tun.“</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Er legt den Stift ab, vergessen, dass er an Ruhe glaubte, so lange er nicht fertig war. „Du hast Dir aber nicht viel Mühe gegeben, Tim“ sagte eine Stimme, die eigenartig klang, als würde Christin vollkommen synchron mit einer zweiten, tieferen, dämonischen Stimme zu ihm sprechen. Sie war nicht zu sehen. „Wo bist Du?“ „Direkt hinter dir“ flüstert sie ihn ins Ohr. Er dreht sich um und schaut ihr aus der Nähe in ihre toten weißen Augen. So nah wäre er ihr früher gern gekommen. Er spürt ein leichtes Brennen in der Brust „Schmerzen?“ fragt sie und lächelt ihn dabei sanft an. Würde der Tod ihr Gesicht nicht so abstrakt entstellen, die blasse, klaffende Schnittwunde auf der Wange ihn nicht so schrecklich angrinsen, er würde sich jetzt zu Ihr hingezogen fühlen, sie packen und einfach küssen. Der Schmerz wird stärker, brennender. Ihm wird schwindelig. „Das brennen in Deiner Brust, es ist dein Herz. Es bricht.“ Es wird langsam dunkel um ihn herum als würde man das Licht dimmen. Der Raum um Ihn, in dem er nie zuvor gewesen ist, wie er erst jetzt bemerkt, dreht sich immer schneller um ihn herum.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Er wacht auf, vor dem Liebesbrief sitzend, den Stift noch immer in der Hand. Okay, dieses mal muss er wirklich eingenickt sein. Er legt den Stift aus der Hand, steht auf um zu sehen was passieren wird. Wie erwartet steht Christin vor Ihm. Sie streckt ihm die Hand aus. „Ich will Dich. Ich begehre Dich. Komm mit mir.“ Einen ganz kurzen Moment ist er geneigt ihre Hand zu greifen und ihr zu folgen sagt dann aber „Niemals. Wenn Du wirklich Christin bist, dann bist Du tot. Nur eine Wahnvorstellung, ein Albtraum, ein Dämon oder etwas anderes von ihr zurück gebliebenes, nichts Gutes.“ </span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"> „Du wirst zu mir kommen! So oder so!“ </span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Dann musst Du mich schon mit Gewalt holen“</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"> „Ich tue mein Möglichstes“ sagt das Wesen in Christins totem Körper jetzt ganz ruhig und dabei grinsend. Und nicht nur Ihre Lippen formen sich dabei zu einem Grinsen, auch die Wunde schien alle Mundbewegungen vollkommen synchron nachzuvollziehen. In diesem Augenblick hört er eine tiefe Stimme und sieht, wie die Wunde diese Worte formt: „Du wirst zu mir kommen.“ Dann war Christin weg.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Das ist der Augenblick der Erkenntnis. Christin will ihn mit in den Tod reißen. Aber sie kann es nicht tun, Tim muss es selbst tun. Er muss freiwillig mit ihr gehen. Sie, oder was da von ihr übrig ist, kann ihm nichts tun. Sie kann ihm die Illusion von Schmerz vermitteln, ihn 1000 Tode erleben lassen. Aber in jedem Augenblick eines Todes wird er einfach wieder aus seinem Traum erwachen. Nur befindet er sich dann sofort in einem Neuen. Jetzt muss er eigentlich nur noch raus finden, wie er aus diesen Träumen flüchten kann. Die Möglichkeit diesen Kreis zu durchbrechen wird es geben, ganz sicher. Das hatte er in zahlreichen Filmen gesehen. Selbst Luzifer, ja sogar Rumpelstilzchen ließen in Ihren Verträgen immer eine Hintertür offen. Das Böse muss einfach auch gewisse Gesetze einhalten. Kündigung aus wichtigem Grund. Das sind Gottes Regeln, falls es so einen Gott gibt. Oder einfach eine Gesetzmäßigkeit, wie ein Naturgesetz, hofft er still. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ sagt er sich und verlässt seine Wohnung ohne zu wissen, wo er eigentlich hin will.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Er verschließt die Tür, dreht sich um und will die Treppe hinunter laufen. Zu seiner Verwunderung stellt er fest, dass er sich immer noch in seinem Wohnzimmer befindet. Nicht so recht wissend, ob er wirklich durch die Tür ging oder wieder nur träumte, versucht er es erneut. Er öffnet die Tür, geht hindurch und steht wieder im Wohnzimmer. Er geht noch einmal durch die Wohnungstür und wieder steht er im Wohnzimmer. Er geht schneller, wieder. Er rennt durch die Tür, findet sich aber jedes mal an der gleichen Stelle im Wohnzimmer wieder. „Ich lasse Dich nicht gehen. Hör auf dich zu widersetzen! Komm zu mir.“ Er lässt sich auf den Boden fallen, verzweifelt die Hände vor sein Gesicht haltend, wird ihm in diesem Augenblick das gesamte Ausmaß seines Desasters klar in dem er sich befindet. Er kann die Regeln nicht ändern, nicht verletzen und schon gar nicht eigene aufstellen. Er kann noch nicht einmal das Mitspielen verweigern. Alles was er tun kann ist langsam zu spielen, hofft er. Irgendwann wird man ihn vermissen und nach ihm sehen. Er schaut zum Telefon und obwohl er geneigt ist den Gedanken anzurufen gleich wieder als zwecklos zu verwerfen, will er es nicht unversucht lassen. Ein Freizeichen ertönt. Er wählt 110, landet in der Warteschleife. „Derzeit sind alle Leitungen belegt. Bitte legen sie nicht auf, der nächste freie Dämon ist in Kürze für sie verfügbar“ Er legt auf, wirft das Telefon achtlos an die Seite. „Hoffnungslos“ prustet er und setzt sich kraftlos.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Er ist müde geworden. Müde vom Mangel an Schlaf, aber auch müde dieses Spiel zu spielen. Seine Angst, die ihn von dem Augenblick an, als er Christins Kopf fand, begleitete, hat sich verändert. Es ist nicht mehr die Angst vor dem Gefängnis. Es ist auch nicht mehr die Angst zu sterben. Es ist einfach nur die Angst vor der Ewigkeit. Vor dieser Ewigkeit. Und mit dem Wort Ewigkeit wird ihm das absolute, wirkliche, das niemals endende Ewig bewusst. Er träumt nicht, er wacht nicht, er war bereits gestorben. Einer seiner Tode, die er in den letzten Tagen starb, war der wahre Tod. Er vermutet es war der Toaster. Jetzt ging es nur noch darum, freiwillig den Weg in die Verdammnis zu gehen, in der Christins Dämon das ewige Spiel des Sterbens mit ihm spielen würde.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Nichts passiert und das jetzt schon seit gefühlten, keine Ahnung, Stunden? Oder waren es nur Sekunden? Er schläft ein, einfach so, ganz ohne jeden Traum und erwacht dann wieder. Fühlt sich sogar ein wenig entspannt.</span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Okay“ sagt er „Eine Lösung muss her“. Damit meint er zwar eine Lösung in seinem Sinne, ist aber letztlich doch mit jeder Lösung einverstanden, die ihn aus diesem Teufelskreis befreit. „Wo bist Du?“ ruft er. „Los zeig Dich!“ Er glaubt nicht wirklich an eine Reaktion, wäre das doch der erste Ansatz für neue Regeln. Er hat sich getäuscht. Direkt hinter ihm, überraschend wie immer ertönt Christins sanfte Stimme: „Tim, willst du nun endlich mit mir gehen?“ Ihre Haut ist jetzt farbig, Blut durchflutet, Ihr Lächeln so süß wie Nektar und er verspürt plötzlich wieder dieses Bedürfnis sie zu küssen. Sie streckt Ihren Arm nach ihm aus, packt ihn am Hals und wiederholt Ihre Frage nun etwas strenger „Bist Du jetzt bereit mit mir zu gehen?“ Ein „Ja“ liegt auf seinen Lippen, bereit den Mund zu verlassen. Es kam aus seinem Herzen, wollte einen alten innigen Wunsch erfüllen. Aber da ist noch sein Verstand, plötzlich Messerscharf, der mit rasender Geschwindigkeit ein „Nein“ auf seine Zunge sendet um das Ja mit scharfer Klinge zu zerschmettern. Beide Antworten liegen nun bereit ausgesprochen zu werden. Christin sieht ihn an, voll Sehnsucht, erwartend ihn an der Hand nehmen zu dürfen und mit Ihm das Tor zur Ewigkeit zu durchschreiten. Er entscheidet sich für „Nein“.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Christins Blick will ihn zerschmettern, hält aber nicht lange an. Blut strömt aus Ihren Augenhöhlen, Ohren Mund und Nase. Blut, das erst floss, dann aber begann im Raum zu schweben, wie eine dunkle Wolke im seichten Wind. Der Rauch wird dichter, formt sich zu einer Silhouette, der Mund in Form der klaffenden Wunde auf Christins Wange. Ihre Hand noch immer an seinem Hals, umschließt ihn allmählich die Rauchgestalt, lässt ihn kaum noch atmen. Ein Druck der ihn zu zerquetschen droht. Mit aller Macht breitet er die Arme aus, versucht die Gestalt von sich zu stoßen, greift aber nur hindurch. Plötzlich löst sich die Hand von seinem Hals. Er läuft, läuft einfach los, kann nichts sehen, weiß aber, in seiner Wohnung ist er nicht mehr. Aus dem Rauch erscheinen gewaltige Hände, packen ihn und schleudern ihn mehrere Meter durch die Luft. Er schlägt mit dem Rücken auf dem Boden, rutscht nach hinten, zieht dabei eine tiefe Furche durch die weiche, moderige Erde. Eh er sich wieder aufrichten kann, schnappt ihn die Kreatur die jetzt immer bizarrere Formen annimmt und schleudert ihn gegen eine Wand. Er hört einen Knochen knacken, spürt im ganzen Körper Schmerzen vom Aufprall, die es ihm unmöglich machen festzustellen, welche seiner Knochen gebrochen sind. Er springt hastig auf die Füße, dreht sich um, einen Ausweg suchend, kann aber nichts finden. „Konzentriere dich“ sagt er zu sich selbst. „Es gibt einen Weg hier raus!“ Er schaut sich weiter um, die Kreatur kommt erneut auf ihn zu, über den Boden schwebend, wie schwarzer Bodennebel, Mehrere Arme scheinen aus der Wolke zu tauchen. Er versucht einen zu packen, greift aber durch ihn hindurch. Wieder wird er, diesmal mit dem Handrücken, zu Boden geschleudert. Er kriecht Rückwärts, bis er an eine der Wände in der riesigen Halle stößt, in der sie sich jetzt befinden. Die Kreatur folgt ihm dabei in gleichem Abstand. „Du hast nur noch diese eine Chance Tim“ denkt er sich „Also Konzentriere Dich!“ Er schließt die Augen, konzentriert sich, sofern es ihm mit diesen ungeheuren Schmerzen überhaupt möglich ist, auf sein Wohnzimmer. „Du liegst im Wohnzimmer! Du träumst das alles nur. Das alles ist nicht real.“ Er öffnet die Augen und in der Tat, er befindet sich am Boden liegend, direkt in seinem Wohnzimmer. Offenbar hat er allmählich ein wenig Übung im beeinflussen seiner Träume. Er springt eilig auf, sieht sich um, dieses Gefühl unter der Haut, die Kreatur ist noch immer hinter ihm her. Geräusche im Flur. Er schmeißt die Tür zu, lehnt sich mit aller Kraft dagegen. Zwecklos, die Kreatur dringt durch alle Ritzen. Da war noch etwas, er weiß, er hat etwas übersehen, eine Kleinigkeit nur, aber diese Kleinigkeit ist der Ausweg aus der Hölle. Erneut wird er von der Kreatur fest umschlungen. Er beginnt zu schweben, ungefähr einen Meter über dem Boden. Dann plötzlich wird er beschleunigt, wie beim Aufprall auf den ICE oder beim Absturz mit dem Aufzug. seine Füße schlagen mit unglaublicher Kraft auf dem Boden auf. Dann spürt er nur noch unerträglichen Schmerz und kann sich selbst schreien hören. Er wurde sprichwörtlich <em>ungespitzt</em> in den Boden gerammt.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Erstaunt ist er, als er fest stellt, dass er sich aus eigener Kraft wieder befreien kann und sogar auf seinen Beinen steht. Offenbar kann ihm die Kreatur unvorstellbare Schmerzen bereiten, ihn jedoch nicht verletzen. Es hat den Anschein, als wird diese Kreatur ihm jetzt ewig Schmerzen zufügen wollen. Er muss hier raus, raus aus diesem&#8230;Traum? Ja sicher, das alles ist nur ein Traum und er erinnert sich, dass er aus diesen Träumen immer wieder entkam indem er starb. Der Aufzug, der Toaster, der ICE! Christin, oder diese Gestalt, wer immer das sein mag, hat einen Fehler gemacht und ihm die Lösung vor Augen geführt. Es gibt also doch eine Möglichkeit zu entkommen. Er wusste es die ganze Zeit.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Das ist die Lösung! Er würde einfach flüchten, indem er stirbt. Er wird aus dem Fenster springen, sieben Stockwerke in die Tiefe stürzen und dann, im Augenblick des Aufpralls aus diesem Albtraum erwachen. Vermutlich um an anderer Stelle weiter zu träumen. Aber es wird ihm einen vorläufigen Ausweg bieten, ihm Zeit verschaffen. Da gab es nur noch ein Problem. Das Fenster war geschlossen. Wird er es mit schaffen durch das geschlossene Fenster zu springen? Es war wohl den Versuch wert. Letztendlich war es seine einzige Option. Er muss Anlauf nehmen und mit aller Kraft und Entschlossenheit durch das Fenster springen. Die Nebelgestalt bewegt sich wieder auf ihn zu. Er versucht in die andere Ecke des Zimmers zu gelangen um Anlauf nehmen zu können. Vielleicht würde sich das Wesen täuschen lassen und er könnte versuchen durch es hindurch zu laufen. Er lässt sich in die Ecke drängen und drückt sich dort an die Wand, vortäuschend, keinen Ausweg zu sehen. Das Wesen muss denken er habe keinen Ausweg mehr und harrt nun in Angst dort aus.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Dann rennt er los, springt auf die Couch und stößt sich kräftig mit beiden Beinen ab. Die geballten Fäuste voraus durchbricht er die Scheibe. Während er durch das Fenster springt, bemerkt er gleichzeitig zwei Dinge. Erstens konnte er den Aufprall auf die Fensterscheibe kaum Spüren. Sie schien im willig Platz zu machen und zersplitterte bei der ersten Berührung mit den Fäusten sofort in tausende kleiner Splitter, eher einer geborstenen Frontscheibe ähnelnd, als einem Verbundsicherheitsglas und zweitens hätte ihn die Kreatur durchaus fassen können, hat aber im Augenblick seines Absprungs anscheinend keinen Versuch unternommen ihn zurück zu halten. War sie wirklich so überrascht von seinem Sprung?</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Der freie Fall fühlt sich erstaunlich langsam an und er erinnert sich plötzlich, während die Fenster der einzelnen Stockwerke langsam an ihm vorüber ziehen, an viele Ereignisse seines Lebens. Er erinnert sich daran, wie seine Mutter ihm sein erstes ferngesteuertes Auto schenkte und er mit seinen Freunden auf dem Weg vor dem Haus ein Wettrennen veranstaltete. Er erinnert sich daran, wie er seinen Vater im Schlafzimmer nur knapp über dem Boden hängen sah, der Haken der Lampe an der er hing beinahe abriss. Wie er dachte, wenn er nur 2cm größer gewesen wäre, würde er noch leben. Er sieht, wie seine Mutter in ihren letzten Atemzügen im Bett lag und zu ihm sagte „Mach was aus deinem Leben Tim. Versprich es mir“ Und er denkt daran, wie er immer wieder bei dem Versuch Ihren Wunsch zu erfüllen gescheitert war. Wenn er hier raus ist, dann wird er sein Leben ändern und Mamas Wunsch erfüllen. Er denkt daran, wie er sich an seinem Bier verschluckte, als er zum ersten mal Christin sah. Wie sie ihn anlächelte und ansprach und wie er immer nur auf ihre Brüste starrte.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Das letzte Fenster zieht an ihm vorbei. Er sieht die Hauseingangstür und scheint nun fast in der Luft stehen zu bleiben. Dann schlägt er mit der ungeheuren Wucht der Beschleunigung von 7 Stockwerken freien Falls auf dem Boden auf, spürt wie sein Rückkrad bricht, er regelrecht aufreißt und das Blut aus allen Öffnungen herausgepresst wird um sich wie ein Klecks über dem Straßenbelag zu ergießen. Es fühlt sich an als wäre er einer dieser mit Wasser gefüllten Ballons, wie er sie als Kind immer aus dem Fenster auf die vorbeigehenden Mieter warf und sich dann versteckte. Er verspürt Schmerzen, anders als sonst in seinen Träumen kann sich nicht bewegen. Er sieht den Himmel in wunderschönem rot getränkt. Die Sonne geht gerade auf. Er sieht, wie sich Christin über ihn beugt, die Wunde an Ihrer Wange wirkt grinsend. „Hab dich“ sagt ihr Mund während die Kreatur auf ihrer Wange lacht. Dann wird es dunkel.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Zu Tims Bestattung sind alle gekommen. Die einst geteilte Clique ist nun, nicht zuletzt auch aus Mangel an Streitgründen, wieder vereint. Auch Nikolai ist mit dem Privatjet seines Vaters Wladimir angereist. Vater hat es sich nicht nehmen lassen für den besten Freund seines Sohnes die Kosten der Feierlichkeiten, nebst einigen, für ihn nicht der Rede werten Extras zu übernehmen. Wenngleich es auch immer Ärger gab, sobald Tim und Nikolai Zeit zusammen verbrachten und Tim wohl nie Erwachsen geworden ist, mochte er Tim wie einen zweiten Sohn. Wladimir bat Christin sich um das Organisatorische zu kümmern, oder wie er immer sagt „Sorge dafür zu tragen, dass alles seinen sozialistischen Gang gehe“. Tim hätte keine altherren Trauerfeier gewollt, sagte sich Christin. Darum stehen jetzt alle in einem Glaspavillon, unweit des Friedhofs, der eigens für diese Feier errichtet wurde. Im Inneren steht der Sarg, aufgebahrt und geschmückt mit reichlich prunkvollen Verzierungen. Unzählige Kränze, seltene Pflanzen Schnittblumen wurden um den Sarg herum platziert, als hätte jemand bei der Bundesgartenschau geplündert. Die Sitzplätze sind links und rechts vom Eingang zu jeweils einen Drittel kreisförmig um den Sarg herum angeordnet. Den Rest der Freifläche nimmt ein DJ Pult, eine Bar und ein riesiges Buffet ein, welches später Platz für eine Tanzfläche bietet. Der gesamte Raum ist mit Creme-goldenem Teppich ausgelegt. Das Servicepersonal und der DJ stehen noch vor dem Pavillon um eine letzte Zigarette zu rauchen. Eindrucksvoll stehen Bodyguards um den Pavillon herum, die eigentlich nur zum Schutz Nikolais anwesend sind, aber selbstverständlich auch die Räumlichkeiten vor unerwünschtem Publikum schützten. Das Gesamtbild lässt eher eine Hochzeit anstelle einer Trauerfeier vermuten.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Christin sieht vor der Tür eine Person mittleren Alters, unangemessen bekleidet, mit einem der Bodyguards diskutieren und wild mit einem Ausweis herum wedeln. Sie erkennt Kommissar Ritter und deutet mit einem Winken den Kommissar passieren zu lassen.</span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Hallo Frau Christin“ sagt er etwas unbeholfen, nicht wissend ob er die junge Frau jetzt mit Du oder Sie ansprechen soll, während er ihr die Hand zur Begrüßung entgegen streckt „Vielen Dank, dass sie mich an diesen doch etwas finsteren Herren vorbei gelotst haben. </span></p>
<p style="padding-left: 30px; text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"> „Herr Ritter, wie kann ich ihnen helfen?“</span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Oh, gar nicht, Frau&#8230; Darf ich Christin zu ihnen sagen? </span></p>
<p style="padding-left: 30px; text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"> „Ja, selbstverständlich.“</span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Christin, ich wollte sie darüber in Kenntnis setzen, dass die Staatsanwaltschaft die Einstellung der Ermittlungen veranlasst hat. Es deutet in der Tat alles auf Selbstmord hin. Sie wissen ja, er hat eine Art Liebesbrief an sie hinterlassen, den er offenbar kurz vor seinem Freitod schrieb. Er hat also die Wohnung seines Freundes Maik verlassen, ging nach Hause, setzte sich um ihnen einen Brief zu schreiben,schlief dabei offenbar kurzzeitig ein und sprang dann, aus unerklärlichen Gründen durch das geschlossene Fenster. Was mir dabei ein wenig aufstößt ist, warum hat er das Fenster nicht geöffnet? Warum befand sich ausgerechnet in diesem Fenster eine falsche Fensterscheibe? Und, Frau Christin, vielleicht haben sie eine Idee woher die Kratzspuren an seinem linken Oberarm stammen? Warum er, scheinbar bester Stimmung kurz nach Mitternacht die Party verließ und kaum 5 Stunden später tot auf der Straße vor seinem Haus liegt und dabei nur knapp eine junge Frau verfehlt, die gerade auf dem Weg zur Arbeit war?“ </span></p>
<p style="padding-left: 30px; text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"> „Herr Ritter, wollen sie mir unterstellen, ich wüsste mehr als ich ihnen bereits sagte?“</span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Es ist meine Aufgabe Fakten zu sammeln, nicht Behauptungen aufzustellen. </span><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Nein Frau Christin, Wie gesagt, die Ermittlungen sind eingestellt und ich schreibe in den nächsten Tagen meinen Abschlussbericht. Ich dachte nur, es wäre uns doch alle ein Trost, wenn alle Unklarheiten ausgeräumt sind und wir tatsächlich sicher sein können, dass ihm auch wirklich niemand nachgeholfen hat“</span></p>
<p style="padding-left: 30px; text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Ich weiß nicht so recht, was sie mir damit sagen wollen, Herr Kommissar. Sie wissen, wir waren Freunde, auch wenn er unter der Trennung gelitten hat, wie alle in unserem Freundeskreis. Ich kann ihnen versichern, niemand von uns hätte Tim bei allen Streitereien umbringen wollen. Auch nicht ich.“</span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Gut Frau Christin, dann will ich sie nicht weiter stören in ihrer Trauer. Auf Wiedersehen.“</span></p>
<p style="padding-left: 30px; text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Vielen Dank, dass sie vorbei geschaut haben, Herr Ritter.“</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Die Trauerfeier beginnt, Nach einer zu Tränen rührenden Rede von Christin legt der Dj Tims Lieblingslied auf: Alicia Keys &#8211; No One. Was niemand weiß, es war ihr Lied. Das Lied das gerade lief, als er Christin zu ersten mal sah.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><em><span style="font-family: Arial, sans-serif;">6 Monate später&#8230;</span></em></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Julia und Dennis hatten sich lange auf diesen Tag gefreut. Endlich werden sie Ihre gemeinsame Wohnung beziehen. Vor 2 Wochen hatten sie sie besichtigt und sich auf Anhieb in das riesige Wohnzimmer und die gigantische Essküche verliebt. Über das zu klein geratene Schlafzimmer sahen sie großzügig hinweg. Sie würden einfach Schaumstoff zuschneiden und auf einen Unterbau legen. Seit Tagen standen die gepackten Kisten in ihren alten Wohnungen. Beide freuen sich darauf diese wieder auszupacken und Ihre bislang noch getrennten Besitztümer gründlich zu vermischen. Sie lieben sich sehr und bevor sie gleich mit all ihren Freunden, den ersten Kisten und einem Mietvertrag in der Tasche die Wohnung betreten hat Dennis, der als hoffnungsloser Romantier im Freundeskreis verschrien ist, sich geschworen Julia über die Türschwelle zu tragen und ein erstes mal in ihrer gemeinsamen Wohnung zu küssen. Julia ist verdammt gespannt, während Dennis die Tür aufschließt. Sie ahnt, dass sich hinter dieser Tür mehr befindet als nur ihre noch leere Wohnung. Ganz bestimmt hat Dennis für eine Überraschung gesorgt. Und sie hat recht. Mit einem Arm hebt Dennis sie sanft unter ihre Achseln greifend an und bietet ihr dann den zweiten Arm zum aufsteigen an. Sie nimmt an und schwingt sich elegant darüber. Er tritt über die Schwelle, stolpert so, dass er einen kleinen Knicks machen muss. Julia ist fest überzeugt, dass es sich hierbei um einen absichtlichen Stolperer handelt. Sie schaut auf den Boden. Rosenblätter. Aus dem künftigen Schlafzimmer flackert ein schwaches Licht in den Flur. Leise romantische Musik ist zu hören. Es ist Ihr Lied, ab jetzt. Er betritt mit ihr in den Armen das Schlafzimmer, lässt ihre Füße vorsichtig zu Boden sinken. Sie fällt ihm um den Hals, Küsst ihn zärtlich in den Nacken, am Ohr und dann auf den Mund. „Ich liebe Dich“ säuselt sie leise. „Ich liebe Dich.“ gibt er zurück. Sie genießen ihren Augenblick mit einem Glas gut gekühlten, halbtrockenen Sekt. „Geht es los?“ fragt er. „Ja“ antwortet sie „Jetzt geht es los“.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Bereits eine Stunde später stehen die meisten Möbel in der Wohnung, bereit eingeräumt zu werden. Dennis, Julia und 17 Freunde sitzen auf den Umzugskisten und stoßen mit Orangensaft und Bier auf das vollbrachte Werk an. Darunter auch Christin und Markus. „Hört mal“ ruft Dennis in die Runde „Ich habe einen Vorschlag zu machen. Also Julia und ich, wir möchten uns bei euch herzlich bedanken. Und wir haben uns gedacht, da Worte ja nicht satt machen, möchten wir euch zu einer Einweihungsparty einladen. Das Buffet und Getränke sind bereits bestellt, Absagen können also bedauerlicherweise nicht entgegen genommen werden.“ Tosender Applaus und Gejohle. „Dann gibt es aber noch einiges zu tun“ sagt er nachdem sich die Meute beruhigt hatte. „Also los! Ich hänge mit Maik und Paul die Lampen auf, Markus schnappt sich einige Leute für die letzten Schränke und Julia und die Mädels packen die Kisten aus“ „Macho!“ tönt Christins Stimme spaßig aus dem Nebenraum. „Möchtest du gern die Küchenschränke aufhängen?“ fragt Dennis sie lächelnd, worauf sie durch die Tür schaut und ihm kommentarlos zu zwinkert. „Also los. In zwei Stunden ist der Umzug hier gelaufen und um Acht treffen wir uns hier alle zur Party wieder“</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Dennis kommt gerade aus aus dem Bad, streift sich eine Hose und ein Shirt über, als es an der Tür klingelt. Der erste Gast des Abends ist Christin. Sie geht in die Küche, nimmt sich ein Bier und setzt sich mit Dennis an den Küchentisch. Nach und nach füllt sich die Wohnung mit Gästen. Essen und Getränke sind im Überfluss vorhanden. Angeregte Gespräche hier, leidenschaftliche Küsse da und mittendrin tanzende Mädchen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Es wird spät, die Reihen lichten sich. Christin steht am geöffneten Fenster im Wohnzimmer und schaut gemeinsam mit Julia und Dennis den in der Ferne fliegenden Flugzeugen nach. „Du vermisst ihn ein wenig?“ fragt Julia. „Ich frage mich manchmal ob er noch leben würde, wenn ich mich für ihn entschieden hätte.“ </span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">War es dieses Fenster?“ „Hmm, Ja. Wir hatten zwar in der Vergangenheit viel Streit, aber er hinterlässt ein tiefes Loch. Mir war das nie bewusst“ Christin holt tief Luft und dreht sich weg, weil sie sich der Tränen für Tim , die jetzt, 6 Monate nach seinem Tod noch immer fließen wenn sie an ihn denkt, schämt. „Ich werd dann mal“ schluchzt sie. „Ihr wollt die erste Nacht in eurer neuen Wohnung sicher genießen.“ Zwinkert sie den Beiden zu.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Dennis und Julia bleiben noch einen Augenblick stehen, genießen die kühle Luft, während er sie von hinten umschlingt. „Versprich mir, dass wir uns immer lieben“ sagt er. „Versprich mir, dass du niemals auf dumme Gedanken kommst“ erwidert sie ein wenig ängstlich um ihn.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Am nächsten Morgen wacht Dennis auf, Er hatte einen seltsamen Traum. Irgend etwas, er weiß nicht was, hat ihn gepackt und aus dem Fenster geschleudert. Er dreht sich zu Julia aber sie liegt nicht mehr neben ihm. Er sieht auf, sieht den Zettel auf dem Kopfkissen „Bin Brötchen holen“ Okay, denkt er, dann würde er Kaffee kochen und den Tisch decken. Er springt förmlich hoch und verspürt plötzlich, starke Kopfschmerzen. Ihm wird ein wenig schwindelig, vermutlich ist er zu schnell aufgestanden? Er schlürft in die Küche, schaltet den Kaffeeautomaten an, öffnet den Kühlschrank greift ohne hinzusehen die Milch und nimmt einen kräftigen Schluck. Er reißt die Augen auf. Ein Gefühl von Ekel überkommt ihn. Er spuckt die Milch im weitem Bogen aus. „Sauer“ würgt er hinaus und hat das Gefühl sich gleich übergeben zu müssen. Eilig geht er ins Bad, noch immer hustend sieht er auf dem Weg zum Waschbecken einige Tropfen Blut. Eilig dreht er den Wasserhahn auf und trinkt einige kräftige Schlucke.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Jetzt geht es ihm wieder ein wenig besser, abgesehen von den starken Kopfschmerzen. Während er ins Wohnzimmer geht, bemerkt er, wie sich alles wie ein Traum anfühlt. Nein, eher wie ein Film, bei dem er aus der Hauptdarsteller Perspektive zu sieht ohne selbst eingreifen zu können. Er lässt sich auf den Sessel fallen und was er dann sieht lässt ihn den Atem stocken. Auf dem Sideboard steht der Kopf von Julia. Blut läuft an der Schranktür herunter und eine ca. 6cm lange Schnittwunde, aufklaffend, fast wie ein grinsen mit frei liegendem Wangenknochen verziert ihre linke Wange. Dennis wird unvorstellbar übel. Er hat plötzlich ein lautes Klingeln im Ohr und, ehe er die Situation voll erfassen kann spürt er diesen unbezwingbaren Wunsch sich das Leben zu nehmen.</span></p>
<h4 style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Die Geschichte ist zu Ende. Hat sie Dir gefallen, dann teile sie bitte mit Deinen Freunden. Ich bitte Dich außerdem einen Kommentar zu hinterlassen, beispielsweise eine Kritik. </span></h4>
<h4 style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Die nächste Geschichte folgt in Kürze. Worum es geht erfährst Du in der Vorschau. </span></h4>
<h4 style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Meine Buchempfehlung: <a title="Blutlinie von Cody McFadyen" href="http://www.amazon.de/s?_encoding=UTF8&amp;tag=ikb-21&amp;linkCode=shr&amp;camp=3206&amp;creative=21430&amp;redirect=true&amp;ref_=a9_sc_1&amp;keywords=blutlinie&amp;qid=1319978675&amp;rh=i%3Aaps%2Ck%3Ablutlinie" target="_blank">Blutlinie von Cody McFadyen</a></span></h4>
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		<title>Kopflos</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Oct 2011 15:46:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blownbubble</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kopflos]]></category>

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		<description><![CDATA[Folge 3 Er weiß nicht, wie lange er schon läuft. Auch nicht wie er hier her gekommen war aber er steht vor der Haustür. Steht einfach nur da, das Messer in der einen, den Kopf noch immer in der anderen &#8230; <a href="http://schreibwaise.com/archives/160">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif; font-size: 17px; line-height: 25px;">Folge 3</span></h3>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Er weiß nicht, wie lange er schon läuft. Auch nicht wie er hier her gekommen war aber er steht vor der Haustür. Steht einfach nur da, das Messer in der einen, den Kopf noch immer in der anderen Hand, unfähig eines von beiden loszulassen. Vergessen, dass er sich noch in seinem Traum befindet öffnet er die Tür zum Haus und steigt die 12 Stufen hinauf bis zur Aufzugtür. Dann weitere 12 und nochmal 12 und weitere. Oder waren es jedes mal 120? Er zählt mit, kann sich aber nicht konzentrieren. Die Gedanken schweifen ab.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Oben angekommen, Schmerzen in Beinen und Handgelenken, betrachtet er seine Handflächen. Verdammt, er hatte unterwegs die Hände geöffnet, Kopf und Messer verloren. Er hatte einfach vergessen was er in der Hand hielt. Er muss umdrehen um das Corpus Delicti zu holen. Er dreht sich um und betrachtet die von oben schier endlos in die Tiefe reichende Treppe. Soweit er sehen kann, kein Kopf und kein Messer. </span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Nach kurzer Überlegung entscheidet er sich nicht zurück zu gehen. Er öffnet die Tür zum Aufzug. Aber da ist Nichts. Trotz allem macht er, wie fern gesteuert einen Schritt nach vorn, verliert das Gleichgewicht und fällt. Und während er im Fall denkt, tief hinunter geht es vom Erdgeschoss nicht mehr, fällt er und fällt. Dabei fällt ihm ein, dass er ja hunderte, wenn nicht tausende Stufen hinauf stieg. Dann schlägt er auf. Er kann den dumpfen Aufschlag gerade noch wahrnehmen und einen Ansatz von Aufprallschmerz spüren, dann schreckt er aus dem Schlaf auf und sitzt kerzengerade auf der Couch.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Er atmet flach und schnell, seine Hände zittern. Er betrachtet sie und sie sind blutig. Er springt auf, läuft zum Kühlschrank, öffnet ihn und findet ein Kopf. Den Kopf von Markus. Aus dem Hals tropft Blut. An der linken Wange eine 6cm lange Schnittwunde, bis auf den Knochen. Er versteht. Es war also weniger ein Traum als viel mehr eine Art Benommenheit, eine Trance in der er handelte. Er ist kein Mörder! Verrückt, ja das kann sein, aber kein Mörder. Okay, mit dem beseitigen von Köpfen kennt er sich inzwischen aus. Aber er muss sich dringend von seinem Kühlschrank trennen. Der Kühlschrank ist die Aufbewahrungsstätte allen Übels. Kein Kühlschrank, keine Köpfe. Das ist natürlich absoluter Unsinn aber ihm erscheint diese Schlussfolgerung logisch und zwingend. </span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Er stellt also den Kopf, wie gehabt, in den Ofen, legt dieses mal jedoch Backfolie darunter. Er stellt dieses mal 180 Grad ein und Umluft. Es soll schneller gehen. Wenn die Polizei bisher keine Spur hatte, jetzt hat sie ein Motiv. Jetzt wird sie in jedem Fall im Freundeskreis ermitteln und dabei unweigerlich auf ihn kommen. Mord aus Eifersucht oder Leidenschaft oder wie auch immer sie es nennen werden. Das Ergebnis wird immer das Gleiche sein. Gefängnis für eine verdammt lange Zeit. Vielleicht ist es sogar besser sich zu verstecken, wenn er jedoch bisher nicht tatverdächtig war, wäre es spätestens mit seinem Verschwinden der Fall. Er würde sie auf seine Fährte locken. Wie auch immer er handelt, es ist ein Pokerspiel. Aber darum sorgt er sich später. Jetzt heißt es erst einmal Kühlschrank leeren, reinigen und verschwinden lassen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Gereinigt war der Kühlschrank recht schnell, war doch das Blut dieses Mal noch frisch. Er zerrt den Kühlschrank auf den Hausflur und betätigt den Aufzugknopf, worauf sich der Aufzug unmittelbar in Bewegung setzt. Er öffnet die Aufzugtür, zerrt den Kühlschrank hinein und drückt die Taste <em>E</em>. Der Aufzug setzt sich in Bewegung. Aber statt im Erdgeschoss wieder anzuhalten wird er immer schneller. Nach einigen Sekunden wird ihm flau im Magen, dann spürt er kaum noch Boden unter den Füßen, ist weitere Sekunden später scheinbar schwerelos aber der Aufzug beschleunigt weiter. Dann, nachdem der Aufzug deutlich schneller ist als der freie Fall wird er an die Decke gepresst, auf beziehungsweise unter ihm, je nach Sichtweise, der Kühlschrank. Dann ein Aufprall er sieht den Boden auf sich zu kommen, Holz splittert, der Kühlschrank schlägt auf, er darüber. Beim Aufschlag auf den Kühlschrank kann er gerade noch das Brechen seiner Wirbelsäule hören. Spüren nicht mehr, denn in diesem Augenblick strahlt ihn bereits ein helles Licht an. Zunächst glaubt er noch er müsse hinein gehen und die Stimmen, die er im Hintergrund hört hießen ihn willkommen. Es war jedoch die Morgensonne, die ihn rötlich ins Gesicht schien und die Stimmen die er aus dem Jenseits zu hören glaubte waren auch viel näher und realer als erhofft. Sie kamen aus seinem Fernsehgerät. Ein Bericht über eine Reisegruppe.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Er dreht sich um, weg von der Sonne, starrt an die Decke. Zunächst erschien sie ihm noch weiß oder eher, vermutlich vom Rauchen, gelblich. Bei genauerer Betrachtung kann man allerdings Konturen sehen. Schwache Konturen, die aber ähnlich aussehen wie diese Silhouette die er im Traum sah. Viel kleiner allerdings. Jetzt ist die Verwirrung komplett. Ist das nun selektive Wahrnehmung, ein Zeichen oder träumt er noch immer? Wahrscheinlich sind diese Konturen schon länger dort und sein Unterbewusstsein hat dieses Bild gespeichert und im Traum abgerufen. So muss es sein.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Ein letzter Zweifel meißelt sich in seinen Verstand, den er allerdings in der Küche ausräumen kann. Er steht auf um sich des Kühlschranks und seines Inhalts zu vergewissern. Der Kühlschrank stand an seinem Platz, darauf wartend von Tim geöffnet zu werden. Die Tür lechzt förmlich danach, glaubt er, öffnet sie und guckt mit eiskalter Mine hinein. Gleiches im Ofen. Es ist weder ein Kopf in irgendeinem seiner Geräte, noch irgend etwas anderes, was dort nicht hinein gehört. Nicht mal mehr etwas, was dort hinein gehört. Er fasst sich an die Wange. Auch die Schnittwunde ist verschwunden. Erleichtert atmet er durch.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Seine Gedanken kreisen um die vergangenen Tage und ihm fällt auf, dass er weder in der Lage ist die Reihenfolge der Ereignisse zu bestimmen noch Tages oder Nachtzeit zuzuordnen. Er ist nicht einmal in der Lage Traum und Wirklichkeit voneinander zu trennen, nicht einmal sicher ob er jetzt gerade träumt oder wacht, nimmt aber aufgrund der Normalität an, sich im Wachzustand zu befinden. Vielmehr hofft er es, denn seine Annahmen hatte ihn bereits mehrfach betrogen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Er verspürt Hunger. Wenn er jedoch jetzt einkaufen ginge und sich getäuscht hat, was Traum und Wirklichkeit angeht, würde er sich womöglich in weitere ungewollte Situationen hinein manövrieren und hätte am Ende doch nichts Essbares im Haus. So betrachtet wäre dann wohl Markus tatsächlich Tod. Und da er seinen Kopf in den Händen hielt, müsse er wohl davon ausgehen der Mörder zu sein. Dann wäre da noch die dritte Möglichkeit, dass alles nur ein Traum ist und er nach der gemütlichen Runde bei Maik nach Hause taumelte, sich ins Bett legte und jetzt gerade noch Rausch ausschläft. Der Gedanke gefällt ihm eigentlich am Besten, so absurd er auch erscheint. Sollte er darauf bauen und die ganze Sache einfach aussitzen, beziehungsweise, wie er es hofft, ausschlafen? Nein, wohl eher nicht.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Traum oder Wirklichkeit, er muss einkaufen gehen. Allerdings nicht so unrasiert und durchgeschwitzt. Was sauberes zum anziehen bräuchte er auch, da wird es allerdings eng werden. Die Wäsche ist längst überfällig. Müde bewegt er sich ins Bad, dreht den Wasserhahn der Badewanne auf und greift sich den auf dem Waschbecken liegenden Einklingen-Nassrasierer um sich mit nichts als einer Hand voll Wasser im Gesicht die Barthaare aus dem Gesicht zu raspeln. Es ist vielmehr ein reißen als ein schneiden. Er öffnet die Schranktür um die Wechselklingen zu suchen und ist angenehm überrascht, als er sie sofort erblickt. Nach dem Klingenwechsel setzt er am rechten Kotelettenansatz an um mit dem Strich grob vor zu rasieren und dann gegen den Strich um so den Rest zu entfernen. Grob aber effektiv. „Autsch! Verdammt!“ Er zuckt zusammen, hat sich geschnitten. Er schaut in den Spiegel und sieht eine, für einen Schnitt beim rasieren ungewöhnlich tiefe Schnittwunde auf der linken Wange. Sie sieht der Wunde auf Christins Wange erschreckend ähnlich und er kann sich erinnern in diesem steingewordenen Schattengebilde eine Kontur gesehen zu haben, die eben diese Form hatte. Sie blutet heftig. „Es geht also weiter“ spricht er resignierend in den Spiegel, während er sich Toilettenpapier auf die Wunde drückt und erfolglos versucht die Blutung zu stillen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">War das nur ein Zufall? Zwei Zufälle in so kurzem Abstand waren ihm zu viel. Sicher, es gibt es manchmal eigenartige Zufälle, aber in diesem speziellen Fall kann er nicht so recht daran glauben.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Er würde dennoch nach einem heißen Bad einkaufen gehen. Er streift sich das vom rasieren blutige Shirt vom Körper und steigt langsam in die zunächst viel zu heiße Badewanne. Dann lehnt er sich zurück. In dem Moment als er sich umdrehen will um das Radio einzuschalten, sieht er im Türrahmen Christin stehen. Sie hat einen Toaster in der Hand, mit einer Verlängerungsschnur in der Steckdose im Flur steckend. Sein Aufschrei bleibt ihm im Hals stecken und dass alles was er herausbringt ähnelt einem eigenartigen Grunzen. Der Versuch aus der Badewanne herauszuspringen scheitert an der glatten Oberfläche der Badewanne. Die sich wie mit Seife eingeschmiert verhält Bei jedem weiteren Versuch rutscht er erneut zurück in die halb liegende Position. „Was ist, Tim? Hast du Angst, Tim?“ fragt sie mit der üblichen Betonung, die sie ein wenig verrückt klingen lässt. Sicher ist sie verrückt. Schlimmer noch, sie ist tot. Dennoch steht sie vor ihm, ihren Tod scheinbar nicht akzeptierend.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Er hat Todesängste, spürt das Ende kommen. Er weiß, dieser Situation kann er nun nicht mehr entfliehen. Dennoch strampelt er verzweifelt weiter, in der Hoffnung, doch noch Fuß zu fassen. Wieder will er auf einen Traum hoffen, wenngleich sich diese Situation, so abwegig sie auch ist, sehr realistisch anfühlt. Alles ist seit diesem furchtbaren Morgen nur ein Gefühl. Alles ist nur reine Verwirrung.</span></p>
<p style="padding-left: 60px; text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">„Magst du Toast, Tim?“</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Diese Frage war wohl eher eine Rhetorische und bedarf keinerlei Antwort. Tim wird plötzlich ganz ruhig. </span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Was willst du eigentlich von mir? </span></p>
<p style="padding-left: 60px; text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"> „Aber Tim, kannst du dich denn nicht erinnern?“</span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Du bist Tod!“</span></p>
<p style="padding-left: 60px; text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"> „Nein Tim. Ich bin nicht Tod. Ich bin lediglich nicht mehr am Leben.“</span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Ich verstehe gar nichts. Willst Du dich an mir rächen?“</span></p>
<p style="padding-left: 60px; text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"> „Nein Tim, Keine Rache.“</span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Was dann?“</span></p>
<p style="padding-left: 60px; text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"> „Ich will Dich!“ </span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Du wolltest mich nie. Du wolltest Markus und hast damit unsere Freundschaft zerstört.“</span></p>
<p style="padding-left: 60px; text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"> „Aber Tim, liebst Du mich denn nicht?“</span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Ich habe dich sehr geliebt und der Schmerz ist immer noch da. Aber ich will dich nicht. Nicht mehr. Eher würde ich sterben.“</span></p>
<p style="padding-left: 60px; text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"> „Oh, das wirst Du ganz gewiss.“</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Dann sagt sie noch etwas zu ihm. Etwas wie „aber nicht &#8230;“ als der Toaster ins Wasser fällt.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Es fühlt sich an wie ein Brummton den er als Lautsprecher wieder gibt. Ein starkes vibrieren. Als zöge jemand an seinem Körper aber er haftet wie ein starker Magnet an der Badewanne. Wie unerträglich starke Kopfschmerzen. Es fühlt sich an wie die Ewigkeit der Verdammnis. </span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Eine Sekunde später war alles vorbei. Dunkelheit. Er öffnet die Augen und glaubt es kaum, er steht wieder auf diesem verlassenen Bahnhof. Ein leises Rauschen, als wäre es ein Echo des Stromschlages, aber dieses Rauschen wird lauter. Nähert sich schnell. „Schreib mir einen Liebesbrief! Schreib wie sehr du mich noch immer liebst, wie sehr du mich willst!“ Dann verschone ich dich, vielleicht!“ Schreit Christin, die plötzlich wieder hinter ihm steht und schubst ihn, bevor er überhaupt in der Lage ist sich nach ihr um zu drehen, vor den Zug der genau in diesem Augenblick durch den Bahnhof rauscht. Er wird erfasst und mit einer solchen Wucht beschleunigt, dass er hört wie seine Knochen brechen. Sein rechter Fuß rattert auf den Schwellen entlang wie ein Margarinedeckel zwischen Fahrradspeichen, bleibt dann hängen und reißt einfach ab. Blut spritzt ihm ins Gesicht. Er kann nichts mehr sehen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Dann öffnet er die Augen, noch das verklingen des Triebwagens im Ohr und starrt an die Decke im Wohnzimmer. Der Puls rast, ebenso wie sein Atem. Er versucht diesen eigenartigen Schatten an der Decke zu finden, sieht aber nur verschwommen. Erst Minuten später, als sich Puls und Atem allmählich wieder verlangsamen kann er die Umrisse erkennen. Er sieht wie sich die Silhouette langsam auf ihn zu bewegt. Dann hört er eine Stimme die ihn leise ins Ohr säuselt „Schreib mir einen Liebesbrief“.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Zwar hat er panische Angst, gleichzeitig spürt er aber ein Gefühl der Erleichterung, weiß er doch jetzt einen Ausweg aus dem Spuk. Ja, Spuk trifft es sicher eher als Traum. Oder spukt es in seinem Traum? Er ist noch immer nicht in der Lage die Situation richtig einzuordnen. Vielleicht, so glaubt er, vielleicht kommt er ja wirklich hier raus, wenn er einen Liebesbrief verfasst. Vielleicht ist das der Ausweg. Seine wahren Gefühle offenbaren. Er muss ja nicht einmal Lügen, denn er liebt sie ja tatsächlich, immer noch. Aber warum will sie plötzlich einen Liebesbrief, hatte sie doch letztendlich nie wahres Interesse an ihm gezeigt. Sie hatte nur mit ihm gespielt und das tat sie vermutlich immer noch.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Irgend etwas stört ihn. Was sagte sie? Schreib mir einen Liebesbrief, dann verschone ich dich, vielleicht. War es das? Dieses vielleicht, die letzten Tage beinhalteten ihm einige Vielleichts zu viel. Genau genommen war alles nur ein großes, dickes Vielleicht. Vielleicht will sie nur den Brief und tötet ihn wenn er ihr gegeben hat, was sie verlangt. Vielleicht spielt sie nur mit ihm und tötet ihn so oder so, wenn sie seiner überdrüssig wird. Aber da war noch etwas. Genau in dem Augenblick in dem der Toaster ihn getötet hat. Ja genau. Da sagte sie: aber nicht&#8230; Sagte sie vielleicht „aber nicht jetzt“? Und davor „sterben wirst du ganz gewiss“ oder so in der Art. Sie wird ihn also so oder so töten. Er denkt diesen Gedanken ganz leise, in einem Flüsterton, weil er ihn selbst nicht hören will und spürt den Schauer der ihm in diesem Augenblick ganz sanft aber eiskalt über den Rücken läuft und ihn sich schütteln lässt.</span></p>
<p style="text-align: justify;"> <span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Er springt auf, sucht Stift und Papier und beginnt zu schreiben: „Liebste Christin“</span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">So ein Müll“ sagt er und zerknüllt dieses Blatt um es sofort achtlos auf den Boden zu werfen. Er zieht ein neues Blatt Papier aus der Verpackung legt es sorgfältig vor sich, nimmt dann ein Zweites und legt es darauf. Er geht ins Schlafzimmer, greift zielsicher unter das Bett, zieht eine Kiste hervor und holt einen Füllfederhalter heraus. Mit einem Griff, so sicher, als hätte der Stift Tims gesamtes Leben lang nur darauf gewartet in genau diesem Augenblick aus der Kiste genommen zu werden. Er geht zurück ins Wohnzimmer, setzt sich vor sein Blatt Papier und beginnt zunächst auf der Verpackung den Füllfederhalter ein wenig einzuschreiben. Er ist ein wenig eingetrocknet, funktioniert aber bereits nach einigen kreisenden Bewegungen tadellos.</span></p>
<p><em><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Liebe Christin,</span></em></p>
<p><em><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Wenn man so wie ich einen Liebesbrief schreibt, dann weiß man zumeist nicht wie man anfangen soll. „Du, ich muss Dir etwas sagen: Ich liebe Dich.“ oder „Mein Herz schlägt nur für Dich.“ Vielleicht so etwas wie „Ich liebe dich so sehr wie die Sonne den Asphalt, aus dem sie am Ende der Straße am Morgen auftaucht, so sehr wie der Schmetterling die Blume, die er im Abendrot sanft küsst.“ Du weist, ich bin kein Romantiker. Das verbietet mir jedoch nicht Liebe für Dich zu empfinden. Ich weiß, ich habe es Dir nie gesagt und doch wusstest Du es. Dann hast Du Markus kennen gelernt und mir das Herz gebrochen. Schmerz durchdrang meinen Körper, Schmerz, den ich verborgen habe um keine Schwäche zu zeigen, um zu verbergen, dass ich Dir hoffnungslos auf ewig verfallen bin. </span></em></p>
<p><em><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Ich liebe Dich noch immer, nein schlimmer.</span></em></p>
<p><em><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Du bist die Gewalt, die mich zerreißt.</span></em></p>
<p><em><span style="font-family: Arial, sans-serif;">meine Liebe zu Dir ist es, die niemals verschleißt.</span></em></p>
<p><em><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Du bist der Geist der mich betöre. </span></em></p>
<p><em><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Du bist das Fleisch das ich begehre. </span></em></p>
<p><em><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Dein Wille ist mir ein Befehl.</span></em></p>
<p><em><span style="font-family: Arial, sans-serif;">So reich ich Dir in Demut meine Seel.</span></em></p>
<p><em><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Es klingt bescheuert, aber es reimt sich. Da siehst Du, was meine Liebe zu Dir in mir verursacht. Noch als wir zusammen waren, war ich nicht in der Lage das Wort „Liebe“ auszusprechen. Jetzt möchtze ich es in alle Welt hinaus schreien. Was man zum Leben braucht bemerkt man eben erst, wenn es nicht mehr da ist. Die Selbstverständlichkeit Deiner Anwesenheit hat mich Blind gemacht für das einzig Wichtige und das einzig Schöne in meinem Leben. Blind, Dich zu sehen.Jetzt bist Du weg. Und obwohl Du eigentlich nie da warst zerreißt es mir das Herz jeden Tag erneut und dieser Schmerz und diese Sehnsucht wachsen mit jedem Tag ohne Dich. </span></em></p>
<p><em><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Lass mich Dir noch eins gestehen:</span></em></p>
<p><em><span style="font-family: Arial, sans-serif;">ICH LIEBE DICH </span></em></p>
<p><em><span style="font-family: Arial, sans-serif;">doch ich lass Dich gehen.</span></em></p>
<p><em><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Dein Tim </span></em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Kopflos</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Oct 2011 13:58:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blownbubble</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kopflos]]></category>

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		<description><![CDATA[Folge 2 Völlig unberührt steht der Kopf auf dem Gitter. Er ist sich nicht ganz sicher ob er erneut in eine Schockstarre verfallen soll oder einfach nur erleichtert aufatmen, dass er womöglich ein Mörder, wenigstens aber kein Irrer ist. Und &#8230; <a href="http://schreibwaise.com/archives/143">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Folge 2</h3>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Völlig unberührt steht der Kopf auf dem Gitter. Er ist sich nicht ganz sicher ob er erneut in eine Schockstarre verfallen soll oder einfach nur erleichtert aufatmen, dass er womöglich ein Mörder, wenigstens aber kein Irrer ist. Und dann war da noch dieses eigenartige Gefühl, von dem er nicht sagen konnte wo es her kam, der gestrige Traum könnte irgendwie mit dem Kopf im Zusammenhang stehen. Sicher, mit einer Toten im Kühlschrank kann man schon mal schlecht träumen. Das ist nicht sonderlich außergewöhnlich, aber dieser Traum, er war nicht wirklich ein Albtraum und er hatte nichts mit Christin zu tun. Oder doch? Dieses flüstern, war sie das?</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Er entscheidet sich nicht in die Schockstarre zu verfallen. Er entscheidet sich außerdem nicht weiter darüber nachzudenken. Stattdessen würde er sich Gedanken darüber machen wie er am besten die vorhandenen Spuren beseitigt, denn, auch wenn er nicht sicher ist Christin getötet zu haben, geschweige denn ihr den Kopf vom Körper getrennt zu haben um ihm in seinem Kühlschrank zu lagern, die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache, die Sprache eines Schuldigen. Mindestens, und das wäre noch der günstigste Fall, würde die Polizei eine Menge unangenehmer Fragen stellen. Mindestens wäre er, wie der Kommissar es im Tatort immer sagt, dringend Tatverdächtig. Und auch wenn es vollkommen unsinnig ist, sich den Kopf als Schuldbeweis im Kühlschrank aufzubewahren, so zeugt es doch auch nicht gerade für seine Unschuld. Eher für seine Dummheit, seine Unzurechnungsfähigkeit bestenfalls. Ganz klar, er muss jede Spur in der Wohnung beseitigen. Das Blut ist kein Problem, Die Kratzer würde er mit einem Streit erklären, den sicherlich all seine Freunde bezeugen können. Das war ja bei ihnen an der Tagesordnung, wenn sie sich begegneten. Trotzdem waren sie Freunde, auch das könnten alle bestätigen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Der Kopf war ein ernstes Problem. Wie beseitigt man einen Menschenkopf? Er hat eine Idee. Er nimmt den Kopf aus dem Kühlschrank, packt ihn mit der linken Hand entschlossen an den Haaren. Mit einem coolen Handschlenker schmeißt er die Kühlschranktür zu, öffnet den Wasserhahn und beugt sich so darunter, dass er das Wasser direkt aus dem Hahn trinken kann.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Er schaltet den Ofen ein, Ober und Unterhitze, dann 120Grad, keine Umluft, des Geruchs wegen. Damit ist der Kopf zwar noch nicht aus der Welt, aber gar, was den Leichengeruch und den Verwesungsprozess zumindest bremst und ihm somit noch etwas Zeit verschafft. Wenn die Polizei eine Spur hätte, wäre sie sicher bereits hier.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Jetzt, da er alle Fenster so weit als möglich geöffnet und einige Male tief durchgeatmet hat, fühlt er sich schon besser und kann nun richtig loslegen. Im Bad anzufangen hält er zwar für keine gute Idee, ist doch der Geruch hier am schlimmsten, ringt sich dann aber doch dazu durch.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Hose und Shirt sind feucht von aufgesogenem Erbrochenen. Angetrocknete Reste die bereits zu verkrusten beginnen kleben unappetitlich auf den Fliesen am Boden. Keine schöne Arbeit aber unmöglich zu vernachlässigen. Gleiches in der Küche. „Was weg ist, brummt nicht mehr“ ruft Tim. Flur und Wohnzimmer hingegen erledigt er im vorübergehen und im Schlafzimmer zieht er lediglich frische Bettwäsche auf. Die Alte landet zusammen mit Jeans und Shirt in der Waschtrommel. Da hilft nur Kochwäsche. Ganze vier Stunden später erstrahlt die Wohnung in, für seine Verhältnisse, neuem Glanz. Natürlich kann man nicht gerade vom Fußboden essen und auch das Essen von einem seiner Teller würden sich die meisten seiner Freunde eher verkneifen aber er ist zufrieden mit der Wohnung und natürlich mit sich selbst. So sauber war diese Wohnung zuletzt als er hier einzog. Aber das ist ja eine längst vergessene Zeit dachte er sich, während er auf die Couch fällt um eine Pause zu machen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Da fällt ihm der viel zu lange im Ofen liegende Kopf von Christin ein. Er geht zum Ofen, öffnet Ihn und was er da sieht, ist gar nicht schlecht. Was dort jetzt im Ofen steht hat weder mit Christin noch sonst etwas menschlichem Ähnlichkeit. Vielmehr ähnelt der Kopf nun dem eines Zombies. Teile der Haut sind von der Hitze aufgeplatzt. Insgesamt ist er recht knusprig und hat, würde es sich um einen Braten handeln, genau die richtige Bräune und Konsistenz. Blutreste und vermutlich auch Flüssigkeit aus dem Gehirn war auf das Blech darunter getropft und dort angebrannt. „Das Kuchenblech ist hin“ denkt er sich und gleichzeitig „Ich backe ohnehin nicht“. Ungewollt regt der aus dem Ofen entweichende Geruch seinen Speichelfluss an. Er nimmt vorsichtig mit 2Topflappen den Kopf an den Ohren aus dem Ofen heraus um ihn unsanft in die Spüle zu werfen. Ein dumpfes Plop kombiniert mit einem Flitsch ist zu hören. Dieses Geräusch bringt ihn auf eine Idee. Da der Kopf im Backofen offenbar recht weich geworden ist könnte er versuchen ihn zu zerkleinern und die Toilette runter zu spülen. Wenn man ihn irgendwo finden und erkennen wird, was er stark bezweifelt, werden die Reste sicher nicht mehr identifizierbar sein. Ein breites Grinsen huscht über sein Gesicht während er denkt „nur aufessen hinterlässt noch weniger Spuren“ und lediglich das Bild von gekochtem Menschenhirn vor seinem inneren Auge lässt ihn diesen Gedanken wieder verwerfen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Nachdem er sich Schweiß gebadet von den Knien erhebt und den Kampf gegen den Restschmutz aufgibt, der sicher und nicht zuletzt auf Grund seines Alters bereits mit dem Ofen symbiotisiert ist, beginnt er das Fleisch vom Knochen zu trennen. Seine nun fast nicht mehr zu bändigende Neugier, wie wohl Christins Schädel im inneren aussehen möge, lässt ihn nun alles andere um sich herum vergessen. Wer kann schon in den Kopf seiner Herzdame sehen? Wegen der langen Backzeit ist der Schädelknochen recht weich, wie er bemerkt. Lediglich die Zähne sind noch hart, wenn auch bräunlich verfärbt. „Hätte sie mal immer schön geputzt“ lästert er während er die Zähne sorgfältig mit der Zange aus dem Kiefer bricht. „Oh je, Karies“. Sagt er während er sich den Zahn genau von allen Seiten ansieht. „28 mesial kariös“ und in ihm blitzt tatsächlich kurz der Gedanke auf den Akkuschrauber aus dem Keller zu holen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Vorsichtig, als würde ein Ei köpfen, sägt mit einem Brotmesser die Schädeldecke rings herum ein und nimmt sie behutsam ab. Teile des gebackenen Gehirns bleiben am Inneren der Schädeldecke kleben. Dann betrachtet er sich das, was von Christin übrig ist und sagt leise „Ich kann tief in dich hinein sehen, kann deine Gedanken sehen. Hier!“ er stößt energisch mit dem Zeigefinger an der Stelle des Hirns hinein, die herausgerissen ist. „Hier war deine Liebe zu mir“ sagt er ein wenig enttäuscht.“Völlig im Eimer.“ Dann beginnt er sorgsam alles zu zerkleinern und achtet peinlichst darauf, dass alles in der Spüle verbleibt. Er tütet alle Einzelteile, die jetzt nur noch aussehen wie Überreste eines Weihnachtsessens, ein um sie ins Bad zu tragen und dort in mehreren Spülgängen in der Toilette herunter zu spülen. „Wie meine Liebe zu dir. Fürn Arsch“ prustet er nochmal. Dann ist der Kopf und damit jeder Verdacht ein für alle mal Geschichte, wie er glaubt.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Jeglicher Geruch von Erbrochenem, Mittagessen, und Schweiß wich jetzt dem seines Sport Deos, welches er mit vollem Eifer in der Wohnung versprühte. Geschafft setzt er sich, lehnt sich zurück und schaltet mit einer schnellen Handbewegung sein Fernsehgerät ein. „Zieh!“ ruft er in den Raum hinein, aber er ist schneller.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Im Nachmittagsprogramm läuft eine schlechte Dokusoap über einen Mord. Man fand die Leiche, ein junges Mädchens um die 20 in einem Waldstück. Hände, Füße und Kopf wurden abgetrennt. Sie konnte bisher nicht identifiziert werden. Die Polizei sucht fieberhaft im Wald nach Spuren. Obwohl er weiß, dass diese Doku nichts mit Christin zu tun haben kann, umgreift ihn ein leichter, dennoch unüberwindbarer Druck der ihn völlig erstarren lässt, während er durch das Bild hindurch zu sehen scheint. Nicht weit entfernt vom Fundort des toten Körpers findet man eine erkaltete Feuerstelle. „Es handelt sich hierbei vermutlich um die verbrannten Gliedmaßen der Toten“ erklärt ein Polizeisprecher.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Starr und in Gedanken versunken sitzt er vor dem Fernsehgerät und grübelt angestrengt. Sein inneres Auge zeigt ihm an Stelle der unscharf gezeigten Leiche den nackten Körper von Christin. Er sieht, wie sie weint, wie sie etwas zu ihm sagt aber er kann sie nicht hören. Er kniet vor ihrem Oberkörper während sie am Boden liegt. Dann packt sie seinen linken Arm und gräbt Ihre Fingernägel tief in sein blasses Fleisch. Er erschrickt. Zieht den Arm weg. Er sieht, wie sie schreit. Dann schlägt er mit beiden Fäusten auf Ihr Gesicht ein. Sie versucht aufzustehen und weg zu laufen als er, seines blutenden Armes wegen, abgelenkt ist. Sie läuft einige Meter, tritt dann aber auf einen spitzen Ast und fällt zu Boden. Der Körper bäumte sich im Fall derart auf, das man Ihren Schmerzensschrei erahnen konnte. Er geht gelassen zu ihr, ein Messer in der rechten Hand, beugt sich über sie, umgreift mit der linken Hand ihren Hals und führt das Messer mit Druck ganz langsam und mit absoluter Hingabe über Ihre linke Wange. Er sieht ihren Schrei, spürt wie sie sich aufbäumt und er kann auch hören wie er denkt „niemand lässt mich sitzen, Schlampe!“ Er spürt wie Wut in ihm aufsteigt. Ein Schreck lässt ihn auf die Couch zurück kehren. Herzbeben. Er war so tief in seinen Gedanken versunken, dass er die Bilder sehen konnte als hätte er es gerade erlebt. Waren das Gedanken oder Erinnerungen? Er hofft Erstes, befürchtet allerdings Zweites.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Plötzlich war da wieder dieses Flüstern. War es ein Flüstern? Oder war es nur ein Geräusch, etwa das rauschen einer Wasserleitung beim betätigen der Toilettenspülung in der Nachbarwohnung, oder gar ein Windzug? Möglicherweise, oder nein, sicherlich war es nur Einbildung. Unwohlsein, Gänsehaut, Stille. Da, schon wieder. Dieses mal war es lauter. Dieses mal konnte er verstehen was die Stimme flüsterte. „Du“ glaubt er zu hören. „Du“ noch einmal: „Du“ und noch einmal: „Duuuuuuuu“ Ein Schlag, ein stechender Schmerz am Kopf, Benommenheit dann ein schriller Schrei direkt hinter ihm: „DUUUUU!“</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Dann schreckt er auf, Kopfschmerzen. Ja, es besteht kein Zweifel, ein Kopf im Kühlschrank und dann auch noch von einer Freundin, so etwas ist zu viel für die Psyche. Jetzt würde er durchdrehen, verrückt werden. Er würde von jetzt an zu einem imaginären Freund sprechen. Oder Feind? Er hat jetzt einen Schatten, redet er sich zwanghaft ein. Gleich morgen wird er einen Arzt aufsuchen. Jetzt braucht er aber erst einmal eine Kopfschmerztablette oder Zwei und Schlaf. Viel Schlaf.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Tim steht auf einem Bahnhof. Weder weiß er wo er ist, noch wohin er von hier kommt. Er kann sich nicht erinnern je hier gewesen zu sein. Der Bahnhof ist Menschenleer aber hell erleuchtet. Er kann das Flackern einiger Lampen hören. Aus der Ferne tönt ein gleichmäßiges Rauschen aus einer Fabrik, oder nein, vielmehr wie eine Autobahn. Offenbar träumt er wieder. Gleichzeitig werden ihm 2 Dinge klar. Erstens: Aspirin eignen sich nicht um Träume zu verhindern und zweitens: seine Tabletten sind nicht im Traum dafür geeignet die Kopfschmerzen auszuschalten. Er hält sich den Kopf mit beiden Händen. Die Geräusche, die gerade noch aus der Ferne zu kommen schienen nähern sich und erreichen bald eine unangenehme Lautstärke, die ihn zu umklammern scheint. Moment, wenn er träumt und sich dessen bewusst ist, dann sollte es doch auch möglich sein, den Traum zu beeinflussen. Er schließt die Augen, stellt sich vor, der Bahnhof würde verschwinden und er befindet sich in einer Bar, stickig, leise Musik, hübsche Frauen, gedimmtes Licht. Er öffnet die Augen und, Fehlanzeige. Er versucht es noch einmal, diesmal etwas einfacher. Er stellt sich vor, die Bahnhofsbeleuchtung ginge aus. Er öffnet die Augen und es ist dunkel. Verdammt dunkel. „Was war das denn für eine selten dumme Idee?“ Denkt er schließt gleich noch einmal die Augen, wünscht sich Licht, öffnet die Augen aber es ist immer noch dunkel. Im Hintergrund war noch immer dieses Rauschen. Es war ein wenig leiser aber immer noch sehr präsent.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Er sieht nach oben. Sterne leuchten schwach durch die löchrige Wolkendecke. Er ist nicht mehr auf dem Bahnhof, so viel steht fest. In der Ferne kann er eine Silhouette von etwas erkennen, ein großer, unförmiger Baum oder eine alte Ruine. Er geht darauf zu, bleibt davor stehen. Ist es ein&#8230; Noch bevor er den Gedanken zu Ende denken kann, bäumt sich dieses Etwas auf und beugt sich lautlos zu ihm vor. Ein leichter Windzug zieht an ihm vorüber und eigenartige Ruhe fließt durch seine Adern. Von Angst keine Spur, vielmehr Neugier. „Duu“ flüstert eine Stimme erneut dann erkennt er, dass die Silhouette jetzt Menschengestalt, nein, viel mehr die Gestalt eines menschlichen Schattens annimmt. Verzerrt irgendwie und gut doppelt so groß wie er. Der Schatten beugt sich, bis der Kopf direkt vor seinem ist. Aber er kann nichts erkennen, keine Augen keine Gesichtszüge nur Dunkelheit, die das Licht in sich aufsaugt wie ein Schwamm. „Was willst Du?“ fragt er neugierig und zu gleich gelassen. Aber dieser Schatten antwortet nicht. Er scheint wie versteinert und tatsächlich, als Tim die Hand hebt um ihn zu berühren bemerkt er, dass er kalt und hart ist, mit der unebenen, rauen Oberfläche eines Steines</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Er hat sich eigentlich, wenn er denn schon hier ist, erhofft dem Problem auf den Grund gehen zu können. Aber was gab es eigentlich für ein Problem? Eigentlich war alles, von seinen eigenartigen Träumen, die man aber durchaus erklären kann, vollkommen in Ordnung wie es war. Und der Kopf von Christin? Mein Gott, der ist doch längst weg. Außerdem, jeder kann in die Situation geraten, einen Kopf im Kühlschrank zu finden. Moment, was denkt er da für einen unrealistischen Mist? Fast hat er vergessen, dass er sich in Mitten eines Traumes befindet. Natürlich ist der Kopf ein Problem, auch wenn er ihn beseitigt hatte. Er saß einst fest auf den Schultern einer Frau, in die er bis über beide Ohren verliebt war. Jemand hatte sie umgebracht. Entweder war er es, oder es war jemand, der es ihm anhängen wollte. So oder so, er muss der Sache auf den Grund gehen. Die Lösung dafür in diesem Traum finden zu wollen ist jedoch ein vollkommen abwegiger Gedanke. Auch wenn abwegige Gedanken in Träumen bis weilen völlig normal erscheinen, so kommt doch dieser Gedanke schon ein wenig auffällig abwegig daher.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Deutliche, klare Albträume, oder sind es womöglich verschwommene Wachsituationen? Etwa unter Drogeneinfluss. Nein, er hat nichts genommen, oder anders gesagt, er kann sich nicht erinnern etwas genommen zu haben. Vielleicht hat ihm aber auch jemand etwas ins Bier getan. Vielleicht war es die selbe Person, die ihm auch den Kopf in den Kühlschrank gestellt hat. Vielleicht vielleicht vielleicht. Diese Träume hatten bereits begonnen ihn in den Wahnsinn zu treiben. Dabei ist gar nichts passiert, außer, dass sie sehr realistisch erscheinen und dass er sie erst träumt, seit er den Kopf von Christin im Kühlschrank fand. Der Kopf von Christin, ja, er kann sich wieder erinnern. Wieso vergisst er nur immer wieder worum es eigentlich geht. Es geht um einen Mord. Einen Mord, den er womöglich begangen hat, einen Mord an einem lebenden, fühlenden, denkenden, hübschen Menschen. Einen Mord, den sein Gedächtnis nun erfolgreich verdrängt und mit Albträumen zu kompensieren versucht.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Von einem Moment zum anderen ist der Stein gewordene Schatten verschwunden. Oder war er es, der verschwand? Wieder hatte er eine Erinnerungslücke als sie plötzlich vor ihm stand. Christin! Jetzt, auf einen Schlag entwich alle Ruhe, alle Nachdenklichkeit aus seinem Körper. Wieder war er wie gelähmt, wieder drohte die Ohnmacht. „Nein!“ sagt Christin in einem skurrilen aufsteigendem Ton „Bleib noch!.“ Sie lächelt ihn mit zur Seite geneigtem Kopf an. Sie ist bis auf die Wunde an der linken Wange völlig unverletzt, mit weitem Ausschnitt und enger Jeans die fast so wirkt als wäre sie auf Ihren Po und Ihre schlanken Beine auf tätowiert. „Sexy Hexy.“ Der Gedanke rutscht seinem Gehirn unweigerlich heraus und, obwohl er es nicht ausspricht, verändert sich Ihr Gesichtsausdruck deutlich und er ist sicher, sie weiß was er dachte.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Blitzschnell zog sie ein Messer hinter dem Rücken hervor, holt aus und streift seine linke Wange. Zu seiner Überraschung, nein, eigentlich ist er nicht wirklich überrascht, verspürt er keinen Schmerz. Nur die Wärme des Blutes, das an seinem Kinn und Hals herunter fließt und sein Shirt tränkt um dann abzukühlen und mit unangenehmer Nasskälte an seinem Oberkörper zu kleben.</span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Was hältst du da in deinen Händen?“ Fragt sie, wieder lächelnd, wieder mit diesem ansteigenden Ton. Er sieht nach unten. Wie gebannt starrt er auf das blutige Küchenmesser in seiner rechten Hand, mit dem ihn Christin gerade noch im Gesicht verletzt hatte, unfähig den Blick abzuwenden. Das selbe Messer, mit dem er zuvor die Schädeldecke von Christin abgesägt hatte. Kranke Gedanken, was für kranke Gedanken. Ihm ist klar, sie weiß was er tat, was er dachte, all diese Gedanken, was er mit ihr machen würde, wenn sie doch noch einmal mit zu ihm nach oben käme, wie er sie in Gedanken immer wieder auszog und wenn sie einfach nur so da stand und sich unterhielt, wie er sie Nackt sah, in seinen Gedanken, die niemand sah. Und er ist sich verdammt sicher, sie weiß, was er in diesem Augenblick denkt. Sie ist gekommen um in meinen Träumen Rache an mir zu nehmen.</span></p>
<p style="text-align: justify;">„<span style="font-family: Arial, sans-serif;">Nicht die Hand, Tim!“ Schreit sie ihn an. „Die andere!“ Sagt sie nun wieder ganz ruhig Nein! Er wird nicht nach links schauen. Er ist sicher, was er in der linken Hand hält, kann keinesfalls besser sein als das Messer in seiner Rechten. Er spürt einen leichten Krampf im linken Unterarm der vom verkrampften Festhalten zu kommen scheint. Gegen seinen Willen wendet sich der Kopf in Richtung der linken Hand. Auch der Versuch die Augen zu schließen und den Blick abzuwenden misslingt ihm gründlich und er sieht letztlich doch hin. In der linken Hand hielt er einen Kopf. Es war der Kopf von Markus. Wird er ihn töten, hat er ihn getötet oder tut er es gerade? Es ist ein Traum, nur ein Traum, nichts weiter. Nichts von allem ist real. „Und jetzt lauf, Tim. Lauf.“ Flüstert ihm Christin sanft ins Ohr und gegen seinen Willen beginnt er unweigerlich zu laufen. Er läuft um sein Leben, läuft in der Hoffnung jeden Moment zu erwachen. Er läuft und läuft und läuft. </span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><a title="Kopflos" href="http://schreibwaise.com/archives/160">nächste Folge lesen</a></span></p>
<p style="text-align: justify;">
 <p><a href="http://schreibwaise.com/?flattrss_redirect&amp;id=143&amp;md5=4234c4af876a7a886a39a7560db0b8a0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://schreibwaise.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kopflos</title>
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		<pubDate>Sun, 09 Oct 2011 16:46:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blownbubble</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kopflos]]></category>

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		<description><![CDATA[Folge 1 Durch die Wände des 198 Mieter fassenden, 11 Stockwerke hohen und mehr als hundert Meter langen Plattenbaus hämmern sich Geräusche von Schlagbohrmaschinen, Stemmhämmern und Kettensägen in Tims Kopf. Schmerz! Er hätte gestern bei Zeiten aufhören sollen mit diesem &#8230; <a href="http://schreibwaise.com/archives/133">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Folge 1</h3>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Durch die Wände des 198 Mieter fassenden, 11 Stockwerke hohen und mehr als hundert Meter langen Plattenbaus hämmern sich Geräusche von Schlagbohrmaschinen, Stemmhämmern und Kettensägen in Tims Kopf.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Schmerz! Er hätte gestern bei Zeiten aufhören sollen mit diesem Bier oder diesem furchtbaren Tequila oder Beidem bei seinen Kumpels im ebenso großen, wie tristen Nachbarhaus. Wie war er eigentlich ins Bett gekommen? Da war&#8230; Nein, das muss er geträumt haben. Christin hätte ihn niemals nach Hause begleitet. Nicht nach diesem Streit letzte Woche. Er kann sich nicht erinnern.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Durst! Das Verlangen nach einem Bier in dem Glauben, nein mit dem Wissen, dass es ihm danach besser gehen wird, setzt sich in Kopf und Kehle fest. Vorsichtig hebt er sich aus dem Bett. Abgesehen von seinen Schuhen, die am unteren Ende des Bettes stehen, ist es ihm wohl gestern nicht mehr gelungen sich zu entkleiden, wie er unverwundert feststellt. Er entdeckt Blutspritzer an seiner Jeans. Hatte er sich verletzt? Er kann sich weder daran, noch an eine Prügelei oder an sonst irgend ein Detail des gestrigen Abends erinnern.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Übelkeit! Er springt auf, was sich unmittelbar als schwerer Fehler erweist, rennt, stolpert, schafft es nicht ganz bis zur Toilette und übergibt sich die letzten Meter auf der Zielgeraden in einem Schwall aus schlecht zerkauten und halbverdauten Pommes und Currywurststücken verdünnt mit reichlich Bier und Magensaft. Welches der Geschmäcker in seinem Mund dominiert kann er nicht genau erkennen. Welcher Geruch hingegen, schon. „Bier ist vielleicht doch nicht die Beste Idee“ denkt er. Er wird sich erst einmal einen Kaffee kochen. Die Hände, nein, der Körper zittert. Behutsam steht er auf, betrachtet angewidert die Überreste des gestrigen Abends im Bad und auf seiner Hose, als er, vermutlich des streng säuerlichen Geruchs wegen, den erneut in Ihm aufkommenden Würgereiz zu unterdrücken versucht. Hastig zieht er Jeans und Shirt aus um damit , natürlich nur vorläufig, den vor seinen Augen liegenden Unfall zu verbergen, schließt die Toilettentür hinter sich und geht in die Küche um Kaffee zu kochen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Blutspuren am Kühlschrank und auf dem Fußboden. Er mustert seinen schwammigen, „Hartz IV gestählten Körper“, wie er Ihn selbst nennt, findet aber nichts, außer einige Kratzer an seinem linken Unterarm. Von Ihm kann das Blut also nicht sein. Unweigerlich malt er sich aus wie er ausgeteilt haben muss, was ihm unverzüglich ein ebenso breites, wie hässliches Grinsen ins Gesicht zeichnet und ihn seine Übelkeit für einen Moment vergessen lässt.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Während er Wasser und Kaffee in die Kaffeemaschine füllt, versucht er sich daran zu erinnern was gestern geschah. Ohne Erfolg. Auf den Kaffee wartend, wischt er das Blut von Kühlschrank und Boden was sich als nicht ganz einfach erweist, da es bereits angetrocknet ist. Er gibt auf, wirft den Lappen in die Spüle, gießt seinen Kameradenbetrüger, so nennt er seine fast einen Liter fassende Tasse zu etwa 2/3 voll, nimmt einen Schluck und geht mit verzogener Miene und Tasse zum Kühlschrank um den viel zu starken Kaffee mit reichlich Milch zu verdünnen. Er öffnet die Kühlschranktür und&#8230;</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">&#8230;Nein, das kann nicht sein. Ihm gefriert das Blut in den Adern. Seine Nackenhärchen richten sich auf, ähnlich wie das Fell einer fauchenden Katze. Die Tasse mit dem heißen Kaffee fällt, fast wie in Zeitlupe, zu Boden. Ein nicht enden wollender, eiskalter Schauer läuft seinem Rücken hinunter während ihm gleichermaßen heiß und kalt wird. Das Herz beschleunigt auf einen Schlag und hämmert als würde es jeden Augenblick aus seinem Hals springen wollen. Der ganze Körper bebt. Alles dreht sich um Ihn herum und er ist sicher, dass es nicht der Restalkohol ist der dieses Gefühl auslöst.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Es ist der Anblick des Kopfes von Christin in seinem Kühlschrank. Ihre blonden, mittellangen Haare sind Blut getränkt, verklebt und zu einem steifen Zopf zusammen gedreht. Die Augen sind weit aufgerissen und scheinen, mit kaltem Entsetzen gefüllt, durch ihn hindurch zu schauen. Der Mund ist bizarr verzogen, scheint ihn, mit einem grell roten Lippenstift einem Clown ähnelnd übermalt, hämisch anzugrinsen. Die Wimperntusche ist verschmiert, läuft an den äußeren Augenrändern herunter. Ein zirka 6 Zentimeter langer und 2 Zentimeter tiefer Schnitt klafft auf der linken Wange, so, dass man den darunter liegenden Wangenknochen ansatzweise sehen kann. Jeglicher Rest ihrer sonst so anmutenden Schönheit ist aus dem kalten, blassen Gesicht gewichen. Zähes Blut tropft noch immer aus dem Hals durch das Gitter. Was er sieht ist nicht das Gesicht von Christin. Es ist das Gesicht des Todes. Ihm wird schwarz vor Augen. Er weiß, er wird jetzt das Bewusstsein verlieren, versucht dagegen anzukämpfen, ohne Erfolg.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Als er wieder zu sich kommt dauert es einige Sekunden in denen er Orientierungslos auf dem Boden liegt. Wie lange hatte er hier gelegen? Minuten? Stunden? Er weiß es nicht. Dann trifft es Ihm erneut wie ein Schlag. Er setzt sich ruckartig auf. Als er den Blick aus einem Reflex heraus erneut auf den Kopf im noch geöffneten Kühlschrank richtet, muss er sich erneut übergeben. Dann steht er zitternd auf, greift mit der Hand vorbei am Kopf, das rechte Ohr der Toten streifend, die halbleere Wodkaflasche. Er hält die Flasche unter laufendes Wasser, spült sie gründlich ab und nimmt einen kräftigen Schluck. Und noch einen, bis er sie schließlich vollständig geleert hat. Dann geht er in sein spärlich eingerichtetes Wohnzimmer.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Eine Couch darauf ein aufgeklappter Laptop, steht vor dem Fenster. Davor ein kleiner runder Beistelltisch mit einem bis über den Rand mit Kippen gefüllten Aschenbecher. An der Wand gegenüber hängt ein mehr als 1 ½ Meter breites Fernsehgerät. Auf dem Fußboden darunter stehen Playstation und XBox. An den übrigen Wänden hängen Poster von Call of Duty – Modern Warfare und reichlich überproportionierten, knapp bekleideten Ladys in hochhackigen Schuhen mit roten und gelben Sportwagen im Hintergrund, die in erster Linie die vergilbte Tapete verdecken sollen. Auf dem Fußboden liegt ein allem Anschein nach jahrzehnte alter PVC Belag, der etliche Brandlöcher aufzuweisen hat. Kleidung liegt überall im Raum verteilt, Schmutzige gleichermaßen wie Saubere.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Er setzt sich auf die Couch, steht jedoch gleich wieder auf um aufgeregt im Wohnzimmer umher zu laufen, versucht die Situation zu erfassen, sich zu erinnern, zu realisieren was da geschehen sein könnte. Fehlanzeige. In seiner Erinnerung klafft ein großes, schwarzes Loch. Zumindest was den gestrigen Abend angeht.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Allmählich zeigt der Alkohol die gewünschte Wirkung und lässt ihn ein wenig gelassener mit der Situation umgehen. Und obwohl er in diesem Augenblick seine Verhaftung vor seinem inneren Auge sehen kann, ist er nur wenig beunruhigt. Er setzt die Flasche an den Mund um einen kräftigen Schluck zu nehmen, leer. Kopfschüttelnd senkt er den Arm wieder, sieht aus dem Fenster. Warum sollte er Christin getötet haben? Warum sollte er ihr den Kopf abschneiden und warum verdammt sollte er ihn mitnehmen? Das ist Wahnsinn. Sicher, sie hatten Streit, aber umbringen? Nein, das kann er nicht getan haben.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Er war einmal in sie verliebt. Eigentlich ist er es immer noch. Sie hat seine Liebe nie ernsthaft erwidert, hat mit ihm gespielt, geflirtet, ihn benutzt. Sie hat ihn fest an sich gezogen, nur um ihn dann mit aller Kraft wieder weg zu stoßen. Als sie ihm ihr Nein an den Kopf warf, begann er ihr aufzulauern, sie zu bedrängen, ihr mit Schläge zu drohen. Ja, er hatte ihr sogar vor Markus damit gedroht, der einmal sein bester Freund war, bevor Christin in Ihrer beider Leben trat. Sie hat sich letztlich für Markus entschieden und mit der Freundschaft zwischen Beiden war es vorbei. Tim glaubte damals, dass sie überhaupt nur über ihn versuchte an Markus zu kommen, was natürlich aus heutiger Sicht ein vollkommener schwachsinns Gedanke war. Dennoch hat sich damals die ganze Clique in 2 Lager gespalten wegen dieser Sache.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Das ging sogar soweit, dass es einmal fast zu einer Massenschlägerei kam. Allerdings dann wohl doch aus irgendwelchen an den Haaren herbei gezerrten Gründen und weniger wegen Markus und Ihm. Zumindest nicht offiziell. Allerdings musste die Polizei damals kommen um schlimmeres zu verhindern. Ralf hat ein Messer gezogen und nervös damit herumgefuchtelt und Nikolai zog dann sogar eine Makarov, eine russische Pistole Kaliber 9mm, unter der Jacke hervor und hat einen Schuss abgegeben. Nikolai behauptete nur einen Warnschuss abgegeben zu haben um schlimmeres zu verhindern aber Tim war sicher den Einschlag im Kies neben Markus gesehen zu haben und er war fast ein wenig enttäuscht darüber, dass die Kugel kein Opfer fand. Nikolai wurde dann von 5 Polizisten nach deren Aussage überwältigt und mit auf die Wache genommen. Tatsächlich hat er, als die Polizei eintraf die Pistole auf den Boden gelegt und die Hände gehoben, so, wie er es aus Filmen kannte. Die 5 Polizisten sind dann über ihn hergefallen und haben sich ein wenig ausgetobt. Auch so, wie er es aus Filmen kannte.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Die Polizei hat dann fast alle Wohnungen der Clique durchsucht. Allerdings erst 2 Tage später. Da haben sie natürlich nichts mehr gefunden. Nikolai ist jetzt in Russland. Sein Vater hat sich um die Einstellung des Verfahrens bemüht und ihn zu sich geholt. Keiner weiß wie und warum, aber alle haben da ihre eigene Theorie.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Minuten vergehen. Dann taumelt er zurück in die Küche, balanciert ungeschickt an dem Erbrochenen vorbei und nimmt sich ein Bier aus dem Schrank. Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer stellt er fest, dass seine Gedanken derweil völlig abgeschweift sind und er Christins Kopf im Kühlschrank fast schon vergessen hatte. Der Alkohol, denkt er, befreit den Geist von Moral und Angst und lässt die ganze Sache ein bisschen komisch erscheinen. „Das hat sie nun davon, dass sie immer so Kopflos rumgelaufen ist“ murmelt er und musste auf der Stelle grinsen. Dann sagte er laut: „Es ist schön zu sehen, wie Du einen kühlen Kopf bewahrst, Christin“. Lauthals, fast schon bellend, lacht er los. Dann geht er in die Küche, nimmt sich noch ein Bier und die daneben stehende Flasche Sangria aus dem Schrank und lässt sich schmunzelnd auf die Couch fallen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Abenddämmerung. Der Bautrupp macht Feierabend. Schritte, Geklapper vom Einrollen der Kabeltrommeln und Gelächter hallt durch die Gänge und Treppenhäuser des Plattenbaus. Gleich wird Stille einkehren, dann sind die einzigen Geräusche die von draußen kommen parkplatzsuchende Autos, das gelegentliche Klappern des Müllschluckers und hin und wieder ein vorbei fahrender Aufzug. Wenn man in der Küche steht und ganz still ist, hört man durch den Lüftungsschacht neben dem surren der Ventilatoren auch aus den umliegenden Wohnungen Musik, sich unterhaltende Menschen, schreiende Kinder und manchmal auch einen deftigen Ehekrach bei den Müllers.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Er wundert sich ein wenig, dass Herr Müller seiner Frau noch nicht den Kopf abgeschlagen hat. Das würde nun wirklich jeder verstehen. Der arme kleine, schmächtige Glatzkopf der immer geduckt neben seiner viel zu großen, dicken Frau her läuft, als würde sie jeden Moment eine Keule unter dem Mantel hervorziehen und diese dann schwingen um ihm damit den Schädel zu zertrümmern, hätte nach seiner Meinung jedes Recht, der Frau im Schlaf mit einem schnellen, glatten Schnitt den Hals zu durchtrennen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Mit einer lässigen Handbewegung befreit Tim den Tisch von dem darauf befindlichen Unrat, stellt die Flaschen ab und sieht sich nach seinen Zigaretten um, die er , so glaubt er wenigstens, doch gerade noch gesehen hatte. Er schaut im Bad in der immer noch auf dem Erbrochenen liegenden Hose nach. Nichts. Er verharrt einen Augenblick in der gehockten Position. Das Bad scheint sich zu drehen. Zunächst langsam, dann immer schneller. Mit einem Ruck steht er auf, sucht sich in der Wohnung verteilte, noch tragbare Bekleidung zusammen und zieht sich an um Zigaretten kaufen zu gehen. Er sucht seinen Schlüssel geschlagene 10min, bis er auf die Idee kommt vielleicht doch noch einmal im Bad nachzuschauen. Treffer.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Er geht zur Tür, erstaunlich geradlinig für seinen Zustand, wie er findet. Die Tür lässt sich seltsam schwerfällig öffnen, als wäre sie unter Wasser, was ihn aber nicht weiter verwundert, da er seine Kräfte für Heute bereits aufgebraucht hatte. Das Licht im Treppenhaus flackert und es ist erstaunlich ruhig für diese Urzeit. Gerade will er die Treppe hinunter gehen, als er ein scheinbar vom Fahrstuhlschacht kommendes Geräusch hört. Ein Flüstern, so leise, dass man es gerade noch wahrnehmen kann. Allerdings war es viel zu leise, als dass er es verstehen konnte. Erschreckt, aber auch neugierig dreht er sich um, verweilt einen Moment lauschend, geht zum Aufzug und legt dann sein Ohr an die Tür. Es ist nichts zu hören, außer dem unregelmäßigen klacken und surren der flackernden Neonlampe. Dann ein dumpfer Schlag an der Tür, der ihn zurückschrecken lässt. Der Aufzug setzt sich in Bewegung. Er will einen Schritt zurück gehen, es gelingt ihm jedoch nicht sich dabei vom Aufzug zu entfernen. Aus irgend einem Grund gehorchen Ihm die Beine nicht und er scheint auf der Stelle zu treten. Der Fahrstuhl hält auf seiner Etage. Ein mulmiges Gefühl umgibt ihn. Das Geräusch der Neonlampe hämmert sich in seinen Schädel. Er öffnet die Tür, schaut hinein aber die braune Fahrstuhlkabine ist leer, abgesehen davon, dass nur die Notbeleuchtung funktioniert. Scheinbar leise Schritte von hinten. Er dreht sich um. Wieder das flüstern. Angsterfüllt will er sich in den Aufzug flüchten, tritt dabei jedochins Leere, Er kann sich gerade noch abfangen und realisiert genau in diesem Moment, dass der Aufzug verschwunden ist. Zu seinen Füßen eröffnet sich ein endlos tiefer Schacht, der ihn regelrecht einlädt geradewegs ins ewige Nichts stürzen. Der Schreck verursacht ein derart schnellen Puls, dass er glaubt sein Herz sei auf der Flucht. Alles beginnt sich um ihn zu drehen. Dann ein dumpfer Schlag, den er von hinten auf ihn zu kommen zu hören glaubte, traf ihn auf seinem Kopf. Es dauert einige Sekunden bis er bemerkt, dass er von der Couch gefallen ist. Er muss wohl einfach eingeschlafen sein als er darüber grübelte wo seine Zigaretten sind. Der Alkohol in seinem Blut hat Ihn nicht nur den Kopf im Kühlschrank vergessen lassen, er hat auch die Realität unbemerkt in einen Traum übergehen lassen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Wieder wird ihm übel. Dieses Mal von den Drehungen, die das Zimmer die ganze Zeit in beide Richtungen gleichzeitig vollzog. Er denkt noch einmal über diesen eigenartigen Traum nach, der so seltsam klar und realistisch schien. Er konnte sich an jede noch so winzige Einzelheit erinnern, auch daran, dass er sich, im Gegensatz zu seinem jetzigen Zustand, vollkommen nüchtern fühlte. Aber irgend etwas an diesem Traum stimmte nicht. Nur eine Winzigkeit. Morgen, dachte er, morgen wird alles klarer sein. Morgen schlafe ich aus und dann wird geputzt. Bei diesem Gedanken schlief er ein.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Als er am nächsten Morgen, eigentlich ist es bereits Mittag, aufwacht, hat er kurz hintereinander 3 Gedanken, die ihm blitzartig durch den Kopf schießen. Erstens: Er hat nichts geträumt. Zweitens: Scheiß Lärm. Drittens: Verdammt! Kopf, Kühlschrank, Polizei! </span><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Letzterer sorgt wieder einmal für ein, nicht seinem Zustand entsprechendes, viel zu rasches Aufspringen. Sofort beginnt das Zimmer sich wieder im Kreis zu drehen, Darm und Magen verkrampfen synchron und der Kreislauf will ihn zu Boden zwingen. Mit Erfolg, wie er feststellen muss. Er lässt sich wieder nach hinten fallen, um so einige Minuten in absoluter Bewegungslosigkeit zu verharren. Kaffee? Nein, keine zweite Auflage dieses seltsam unrealistischen Gestern. Dennoch müsste er sich zumindest der Existenz Christins Kopfes in seinem Kühlschrank vergewissern , in der stillen Hoffnung, dass es sich bei diesem gestrigen Fund um eine Halluzination oder einen Traum handelt oder sich wenigstens kein weiterer Kopf im Kühlschrank befindet. Womöglich der von Markus. Nach diesem Gestern würde ihn heute vielleicht noch so einiges in Panik versetzen, wundern jedoch würde ihn nichts mehr.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Langsam und mit Bedacht setzt er sich hin, wartet ein wenig und schlürft dann kraftlos, ähnlich eines alten Mannes mit Arthritis, in die Küche. Der in der gesamten Wohnung wie eine Wand stehende, beißende Geruch seines Erbrochenen ist hier nochmal um einiges intensiver. Und obwohl er sich den erneuten Würgereiz mit enormer Anstrengung zurückzuhalten versucht, würde er für einen Beobachter äußerst gelassen wirken. Er öffnet die Kühlschranktür, schaut aber zunächst nicht hin. Dann ein kurzer Blick und&#8230;</span></p>
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<p>&nbsp;</p>
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		<title>unter der Haut</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Sep 2011 16:51:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blownbubble</dc:creator>
				<category><![CDATA[(w)irre Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Das kribbelt so unter der Haut. Immer dieses kribbeln, den ganzen Tag lang. Ich muss mich kratzen, den ganzen Tag lang. Wenn die Sonne scheint oder wenn es regnet oder schneit oder nur kalt ist oder wolkig oder dunkel, dann kribbelt es. Erst konnte ich es ja noch weg kratzen. Dann kam es wieder immer mehr, immer schlimmer, immer öfter, dann war es überall, dann war es immer. Dann hörte es nur noch auf wenn ich es raus fließen ließ. Ich muss es auf kratzen, richtig auf, damit es raus fließen kann. Aber ich bekomme nicht alles raus. Nach einer Weile fließt neues kribbeln von wo anders nach und dann muss ich wieder kratzen, immer kratzen. Wenn ich in der Klinik bin und die mich fesseln, damit ich aufhöre zu kratzen, werde ich verrückt, weil dieses Kribbeln dann unerträglich doll und unerträglich laut wird. Und dann sagen die ich bin in der Klinik weil ich verrückt bin, und ich weiß es besser, weil ich immer erst verrückt werde wenn ich hier drin bin, weil die nicht zulassen, dass ich es raus fließen lasse. Aber die müssen mich immer wieder gehen lassen, weil ich ja niemandem was tue. Ich bin ja harmlos, sagen die immer und dann lassen die mich wieder gehen. Und dann bin ich einmal in den Baumarkt gegangen und habe mir dort Sachen gekauft. Sachen, von denen ich glaube, dass sie mein kribbeln weg machen. Nägel und Säure und Teppichmesser, eine Bohrmaschine und viele, große und kleine Bohrer und so. Sachen halt, mit denen man unter die Haut fahren kann und das kribbeln heraus fließen lassen kann. Sachen, die Löcher machen, die so groß sind, dass es nicht gleich wieder aufhört zu fließen. Solche Sachen eben. Und dann habe ich mir mit dem Messer erst einen Schlitz in den Bauch gemacht. Da habe ich schon gemerkt, dass das kribbeln in den Bauch fließt. Und dann habe ich eine Ader gesucht und mit der Bohrmaschine ein Loch gemacht und das Kribbeln raus fließen lassen. Ich habe dann einen Nagel in das Loch gesteckt, damit ich es immer wieder aufmachen kann, aber nach 2 Tagen hat es dort ganz besonders schlimm gekribbelt und es wollte nicht mehr raus. Ich glaube, wenn das Kribbeln erstmal gemerkt hat dass da ein Loch ist, dann hält es sich daran fest und fließt nicht mehr mit dem Blut heraus. Also habe ich das Loch wieder zugeklebt. Jetzt ist da eine große harte Beule, die ein bisschen weh tut, aber das macht nichts, denn ich weiß jetzt was ich machen muss. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Ich setze mich in die Badewanne und mache ein ganz großes Loch. Dann fließt das Kribbeln so schnell raus, dass es sich gar nicht so schnell festhalten kann. Ich mache mir vielleicht viele Löcher. Zwei in die Arme und zwei in die Beine. Ich mache das in der Badewanne und lasse das Wasser laufen, damit das Kribbeln gleich weg gespült wird. Das ist ein schönes Gefühl, wenn das kribbeln heraus fließt und es ist Kühl auf dem ganzen Körper. Ich sehe wie es weg fließt. Ich freue mich. Ich werde ein bisschen müde. Ich glaube, ich ruhe mich ein wenig aus und ich weiß, wenn ich später aufwache ist das Kribbeln für immer verschwunden.</span></p>
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		<title>Verfolgt</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Sep 2011 16:24:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blownbubble</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die folgen mir, beobachten mich. Ich kann nicht sagen, was die von mir wollen. Ich kann auch nicht sagen, wie lange die das schon tun. Bemerkt habe ich es vor einigen Jahren, als ich beim Bäcker saß und einen Kaffee &#8230; <a href="http://schreibwaise.com/archives/109">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Die folgen mir, beobachten mich. Ich kann nicht sagen, was die von mir wollen. Ich kann auch nicht sagen, wie lange die das schon tun. Bemerkt habe ich es vor einigen Jahren, als ich beim Bäcker saß und einen Kaffee trank. Am Tisch nebenan saß jemand mit einer großen Zeitung, der sah immer ganz verstohlen über den Rand zu mir herüber und hat die Zeitung schnell wieder hoch genommen, als ich seinen Blick erwiderte. Ich habe mir zunächst nichts dabei gedacht. Dann gab es eine ähnliche Situation nur wenige Tage später in der U-Bahn. Ich habe darauf hin angefangen meine Umgebung genauer zu beobachten, zu schauen wie sich die Menschen mir gegenüber verhielten und habe dabei eine entsetzliche, fast völlig unmögliche Entdeckung gemacht. Alle beobachteten mich, wirklich Alle. Die Einen recht auffällig und vollkommen ohne jede Scham dabei entdeckt zu werden, andere eher heimlich, im Schatten der anderen, schauen völlig desinteressiert weg oder werden nervös, wenn ich sie dabei ertappe. Ich denke, oder viel mehr bin ich mir sicher, dass die Auffälligen Beobachter mich nur von den Heimlichen ablenken sollen.</span></p>
<p><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Ich habe dann begonnen mir zu Hause Merkmale zurecht zu legen. Unauffällig, etwa wie ein hingeworfener Schlüsselbund, deren Haustürschlüssel und Briefkastenschlüssel aber die Uhrzeit 11:55Uhr bedeuteten, wenn man im Sessel sitzt und sich über die Armlehne leicht nach hinten beugt. Oder eine Vase, die ich bis zum Rand mit Wasser füllte und so abstellte, dass der Teppich nass würde, wenn jemand durch die Tür käme. Einen Zettel, den ich in einem bestimmten Winkel zum Fenster ausrichtete, den Kugelschreiber darauf mit der Miene genau zur Tür zeigend, den Clip nach rechts gedreht und so weiter.</span></p>
<p><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Einmal stand meine Zahnbürste anders im Glas als ich sie abstellte. Fast einen ganzen Zentimeter. Ansonsten sind die recht gut, verwischen all Ihre Spuren, legen sogar die kleinsten Dinge wieder exakt an ihren Platz zurück. Das mit der Zahnbürste war bestimmt ein Anfänger. Anders kann ich mir das nicht erklären.</span></p>
<p><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Ich habe meine Wohnung nach Wanzen abgesucht, aber nichts gefunden. Die haben sie wirklich sehr gut versteckt. Es gibt auch einige Dinge in der Wohnung an die ich mich nicht ran wage. Wie zum Beispiel das innere des Sicherungskastens, die Gastherme oder das Telefon. Ich habe mir bereits mehrfach ein Neues gekauft, aber jetzt telefoniere ich nicht mehr. Ich höre laute Musik, wenn ich zu Hause bin, damit die mich nicht verstehen, wenn ich mal mit mir selbst spreche. Ich ziehe die Vorhänge zu, lasse in Küche und Bad das Wasser laufen. Das habe ich mal im Fernsehen gesehen, es muss also funktionieren.</span></p>
<p><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Aber manchmal, wenn ich wirklich allein sein will, dann mache ich alles aus, so, dass es ganz still ist in der Wohnung. Dann brabble ich die ganze Zeit was vor mich hin und dann tue ich so, als würde ich von all den Beobachtungen und Durchsuchungen und den Wanzen gar nichts wissen und sage zu mir selbst wo ich jetzt gleich noch hin muss. Ich gehe dann los, gehe aber ganz wo anders hin. Einmal habe ich mich im Wald versteckt. Das hat fast einen halben Tag gedauert, bis die mich dort gefunden haben. Auch wenn ich mich im U-Bahn Tunnelsystem verstecke, bin ich ein paar Stunden allein. Alles Andere hat nicht funktioniert. Ich habe ja schon alles Mögliche versucht, bin durch die Spree geschwommen, ganz überraschend einfach hinein gesprungen und drüben wieder raus, aber die haben dort schon auf mich gewartet, so getan als würden sie mich gar nicht sehen, sich gesonnt oder geküsst. Hab mich auf einer Toilette eingeschlossen aber nach 2 Stunden haben die mich da raus geholt, mit der Feuerwehr, wie sie mir versicherten.</span></p>
<p><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Wenn ich einfach zu Hause bleibe und mich einschließe dann kommen die nach einigen Tagen, die Nachbarn, wegen der lauten Musik, die GEZ oder ein Postbote, wie er behauptet und fragt mich ob er für meinen Nachbarn ein Päckchen entgegen nehmen könnte. Ich glaube manchmal halten die mich wohl ein wenig für Geisteskrank. Denken die etwa wirklich, ich wüsste nicht, dass in dem Paket eine versteckte Kamera oder eine Wanze ist?</span></p>
<p><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Manchmal kommen die ganz offiziell in Uniform und nehmen mich einfach mit. Die sagen, sie würden mir nur helfen wollen, bringen mich in eine Klinik. Dort tun die mir nicht weh, nicht körperlich, aber die geben mir was, irgendwas, damit ich aufhöre zu merken, dass die mich beobachten. Die haben aber auch gesagt, dass sie mich immer wieder gehen lassen müssen, weil ich ja nichts schlimmes getan habe. Sie würden mir immer wieder Hilfe anbieten und hoffen, ich nehme diese Hilfe an. Außerdem würden sie hoffen, dass ich keine Dummheiten mache, sonst müssen sie mich hier behalten.</span></p>
<p><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Gestern war ich dann in der U-Bahn und hab die angeschrien und gefragt was die von mir wollen. Keiner von denen hat was gesagt. Die haben alle nur komisch geguckt. Gestarrt haben die. Als würden sie Löcher in mich starren wollen.</span></p>
<p><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Ich glaube das ist es. Die wollen mich nicht einfach so wegschaffen. Die wollen mich kaputt machen. Die wollen, dass ich verrückt werde. Und dann nehmen die mich mit und gucken in meinen Kopf . Das haben die schon mal gemacht. Die dachten ich würde schlafen nachdem die mir mit einer Nadel was in den Arm gespritzt haben. Aber ich hab nicht wirklich geschlafen. Ich konnte dabei zusehen, wie die mir was in den Hinterkopf eingepflanzt haben. So einen Sender oder einen Roboter oder so was. Von der Decke oben habe ich das alles gesehen. Die wissen das nicht, die haben mich nicht gesehen, weil die immer nur nach unten geguckt haben. Außer einer, aber der hat nichts gesagt. Als ich dann zurück in meinen Körper gegangen bin und wieder aufgewacht bin, war ich schon wieder zu Hause.</span> <span style="font-family: Arial, sans-serif;">Ich hab mir dann erst einmal Alufolie um den Kopf gewickelt, damit die meine Gedanken nicht lesen können. Jetzt habe ich immer einen Stahlhelm auf. Den habe ich mir gekauft. Ich weiß nicht ob das so gut funktioniert mit diesem Helm, weil die noch immer schon da sind wenn ich irgendwo hin komme.</span></p>
<p><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Ich versuche nun immer, nicht zu denken aber das geht nicht. Der Kopf denkt und denkt und denkt und hört nicht auf damit. Und wenn ich es schaffe nur an eins zu denken, dann denkt der Kopf einfach wo anders an was anderes. Ich merke das richtig, wie er wo anders denkt und dann denke ich daran dass ich was anderes denken muss und schon denke ich wieder. Ich denke, ich hab nur eine Lösung. Ich muss mir das Ding aus dem Kopf schneiden und dann ganz schnell weglaufen. Dann wissen die nicht wo ich hin will und ich habe endlich meine Ruhe. Dann wohne ich im Wald in einer tiefen Grube und da geh ich dann nie wieder raus.</span></p>
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		<pubDate>Sun, 18 Sep 2011 11:14:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>blownbubble</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe Männersachen in meiner Wohnung gefunden. Sachen, die nicht von mir stammen. Sie lagen auf dem Boden vor meinem Bett. Ich habe Schmerzen in der Brust und meiner Scham, als hätte ich sehr viel und harten Sex gehabt. Das &#8230; <a href="http://schreibwaise.com/archives/104">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Ich habe Männersachen in meiner Wohnung gefunden. Sachen, die nicht von mir stammen. Sie lagen auf dem Boden vor meinem Bett. Ich habe Schmerzen in der Brust und meiner Scham, als hätte ich sehr viel und harten Sex gehabt. Das laufen schmerzt. Habe ich wieder einen neuen Mitbewohner?</span></p>
<p><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Das fing vor 3 Jahren an, als plötzlich Angelique hier wohnte. Zuerst fand ich nur die pinkfarbene Zahnbürste und habe mich gefragt wann ich die gekauft haben soll. Dann hingen irgendwann Dinge in meinem Schrank. Pinkfarbene Dinge. Ich hasse Pink. Die Slips, Hosen, Shirts, ein Kleid, Pink. High Heels, verdammt hohe High Heels. Ich hasse High Heels. Angelique ist mir lange Zeit nicht persönlich begegnet. Dann war sie anscheinend eine Zeit lang weg. Später kam dann Ramona. Ramona trug viel graue und schwarze Kleidung. Hauptsächlich Kostüme und Schuhe mit breiten, nicht ganz so hohen Absätzen. Ramona hat ihre Kleider auch in meinem Schrank verstaut. Allmählich ist es mir zu eng geworden im Schrank. Und weil ich Ramona und Angelique nicht selbst bei mir angetroffen habe, nahm ich ihre Kleider aus meinem Schrank, bügelte Einiges, hauptsächlich die Dinge von Angelique, legte alles fein säuberlich zusammen, stapelte es im Wohnzimmer auf Couch und Sessel und hinterließ ihnen eine höflich und freundlich verfasste Nachricht in der ich sie bat sich einen eigenen Schrank zu besorgen. Der Schrank stand bereits am nächsten Abend im Schlafzimmer. Es war jetzt zwar sehr eng im Zimmer aber dafür wieder Platz im Schrank. Obwohl mich Angelique und Ramona nie um Erlaubnis fragten ob sie hier wohnen dürfen, hab ich nie das Bedürfnis gespürt sie loswerden zu wollen. Beide kommen mir irgendwie vertraut vor. Ich fühle, dass sie zwar ein wenig verrückt, im Herzen aber gute Menschen sind. Angelique ist mir nur ein einziges Mal begegnet. Ich erinnere mich noch genau an das erste Mal, als ich in den Spiegel sah und sie plötzlich vor mir stand in ihrer pinkfarbenen Unterwäsche, mit der Zahnbürste im Mund in den Spiegel schaute und in Gedanken ein Lied sang, dass sie zuvor im Radio hörte. Ich weiß welches Lied es war, weil ich gerade das selbe Lied sang. Es war wie ein Traum in dem du aus einem Körper schaust, ihn aber nicht kontrollieren kannst. Ich kann mich aber nicht mehr daran erinnern was dann geschah. Diese Begegnung machte mir Angst. Ich habe meinen Arzt aufgesucht und ihm von Angelique und Ramona erzählt, aber der sagte nur, es wäre nicht schlimm, dass die Zwei bei mir lebten. Es gäbe Menschen, bei denen sogar 8 Personen lebten. Man könne sich ja arrangieren und so lange niemand von diesen Personen schlimme Dinge tut, sei alles in Ordnung. Aber wenn ich will, verschreibe er mir Tabletten, damit diese Personen wieder verschwinden. Ich habe mir die Tabletten geholt. Für den Notfall. Aber genommen habe ich sie nie. Wir haben uns seither nicht wieder gesehen, kommunizieren über Zettel oder per Email. Ramona hat auch einmal eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen. Ob ich ihre Röcke waschen könnte, hat sie mich gefragt. Ist schon ein seltsames Gefühl, fremde Menschen mit der eigenen Stimme reden zu hören. Alles in allem kommen wir prima miteinander aus. Kein Männerbesuch, jeder hat seinen Aufgabenbereich und seine Privatsphäre. </span></p>
<p><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Und dann plötzlich, eines Morgens sehe ich diese Jeans auf dem Boden liegen. Daneben Hemd, Sakko und eine grauenhafte grün geblümte Krawatte. Ich spüre Schmerzen zwischen den Beinen. Es brennt fürchterlich. Ich bin wund. Ich gehe ins Bad, sehe blaue Flecken auf dem Körper und wunde Brustwarzen. Ich schreie. Vor Schmerzen und&#8230; weil der Toilettendeckel hochgeklappt ist. Es ist nicht der Deckel, es ist diese Ahnung die mich hat aufschreien lassen. Ich laufe durch die Wohnung, ins Wohnzimmer, nochmal Schlafzimmer, Küche, niemand da. Ich bin erleichtert. Wer immer es war und wer immer ihn mitbrachte, er ist weg. Aber seine Sachen? Ein eiskalter Schauer lief mir den Rücken hinunter, als mir klar wurde&#8230; Dann lief ich ins Bad, der Puls raste, der linke Arm schmerzte, mir wurde schwindelig. Ich sah in den Spiegel und dann habe ich ihn gesehen, wie er mich angrinste. Ich war wie gelähmt, konnte nicht mehr atmen. Ich konnte nur noch zusehen, wie er mir den BH und Slip vom Leib riss. Ich konnte nichts spüren aber ich habe alles gesehen. Er knetete meine Brüste, kniff mir in die Brustwarzen. Dann, nach einer Weile legte er sich breitbeinig auf den Boden und begann Dinge in mich hinein zu stecken. Dann wurde es dunkel. Er kommt jetzt immer öfters, so, dass ich nicht mehr in der Lage bin alltägliche Dinge zu tun, geschweige denn zu arbeiten. So, wie ich aussehe, mit Prellungen und Abschürfungen übersät, Schmerzen beim laufen. Ich habe seither 5 Kilo zugenommen. Er isst zu viel. Ich habe Hilferufe an Angelique und Ramona geschrieben aber sie scheinen entweder weg zu sein oder er hat die Briefe beseitigt. Würden sie denn diesen Schmerz nicht auch spüren müssen? Ich wollte die Tabletten nehmen aber er hat sie anscheinend gegen Schlafmittel ausgetauscht. </span><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial, sans-serif;">Ich bin jetzt nur noch selten da. Er bringt jetzt Freunde mit. Ich halte diesen Terror nicht mehr aus und wenn sie sich jetzt zu zweit an meinem Körper beglücken, werde ich wohl bald gar nicht mehr da sein. Aber ich habe einen Plan. Ich habe mir ein Messer unter das Bett gelegt und ich werde sie umbringen. Beide. Damit diese Pein ein Ende findet.</span></p>
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